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Wie Knoblauch für Vampire

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Bissl Öl für die Tonalität: HK Gruber, hier in Salzburg.
Bissl Öl für die Tonalität: HK Gruber, hier in Salzburg. © imago/Manfred Siebinger

Der Komponist HK Gruber, eigensinnig bei den Happy New Ears in Frankfurts Oper.

Von Bernhard Uske

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Ein Wiedergänger von Hanns Eisler und ein weitläufiger Verwandter auch von Georg Kreisler: Der 1943 in Wien geborene Komponist, Dirigent und Chansonnier HK Gruber. Ein im Rahmen der Neuen Musik randständiger Musiker, und damit einer im Status des Solitärs: Aus dem Zentrum gerückt – eigensinnig. Seine Stunde hatte geschlagen, als das Gefüge aus Dissonanz-Gebot, 12-Ton-Ordnung und Serialität brüchig wurde und die Avantgarde Konfektionsware.

Gruber, der als Gast bei Happy New Ears in der Oper Frankfurt auftrat, redete von seinem Faible für eine ebenso populäre wie raffinierte Musik, die sich am besten im tonalen Idiom verwirklichen lasse. „Tonalität ist irgendwie angeboren“ – die glücklichen neuen Ohren, die im Happy-New-Ears-Konzept jetzt schon über ein Vierteljahrhundert aufgesperrt sind, hörten diese alte Botschaft als für sie ganz neue. Charmant war es, wie Gruber seine desavantgardistischen Sätze vom Stapel ließ: Grubers A-Dur-Akkorde seien für einen Neue-Musik-Experten sicher dasselbe wie Knoblauch für einen Vampir.

Zwischen Parodie und Gassenhauer

MOB-Art war das Thema des Abends, das auch mit Klangbeispielen präsentiert wurde: Musik eben, die allgemein verständlich ist – irgendwo zwischen Parodie, Gassenhauer und klassischer Form angesiedelt. Die Maschine Tonalität, so alt wie die Menschheit, müsse nicht abgeschafft, sondern nur ein bisserl geölt werden. Gruber hat das immer wieder getan und mit „3 MOB-Stücke“, arrangiert für Solotrompete und kleines Orchester (1977/99) so etwas wie den zweiten Frühling des Neo-Klassizismus eingeläutet. Barock-Mob-Art schien das zu sein, nicht akademisch lehrhaft sondern fast wie ein ausgestanztes und gesalzenes „Play Bach“-Format. Hierbei brilliert Solotrompeter Sava Stoianov, während es bei drei Stücken aus „Sechs Episoden – aus einer unterbrochenen Chronik, op. 20“ von 1968 Ueli Wiget war, der dem noch etwas brav und gesetzt anmutenden MOBitonalmusement auf die Sprünge half.

Mit „Frankenstein!! – Pandämonium für Chansonnier und Ensemble“ von 1976/77 trat das gesamte Ensemble Modern an. HK Gruber leitete die halbstündige Aufführung, die weitgehend mit Spielzeug-Instrumenten bestritten wird bei vom Komponisten-Dirigenten gleichzeitig vorgetragenen, ins Sprechgesangliche transformierten Gedichten aus „Allerleirausch“ von H. C. Artmann. Das war schaurig-schöner Kinderkram für Erwachsene, der sich damals dem bierernsten Fortschrittspathos in Sachen Materialfortschritt frech und frei entgegensetzte.

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