Academy of St. Martin

Klimaveränderung

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Die Musiker des im Jahr 1958 von Neville Marriner gegründeten Londoner Ensembles spielen unter sich selbst mit wunderbar homogenen dynamischen Auf- und Abblenden. Von Bernhard Uske

Homogenität im Großen und Kleinen könnte das Motto im Großen Saal der Frankfurter Alten Oper mit der Academy of St. Martin in the Fields gewesen sein: Es waren allesamt ausgeglichene Werke am Start, in einer Zusammenstellung, die genauso aufgeräumt und ausbalanciert war.

Es herrschte an diesem Abend eine Ordnung mit großem sensitivem Affekt, wie gleich zu Beginn die Sinfonia Concertante in Es-Dur des Bach-Sohns Johann Christian zeigte. Diese war eines der Vorbilder Wolfgang Amadeus Mozarts, so sacht ineinander verschränkt und schon mit sentimental-rokokohaften Attitüden versehen waren die Synkopen-Schwingungen dieses zweisätzigen Werks.

Die Musiker des im Jahr 1958 von Neville Marriner gegründeten Londoner Ensembles spielten unter sich selbst mit wunderbar homogenen dynamischen Auf- und Abblenden.

In Mozarts G-Dur-Klavierkonzert KV 453 kam als dirigierender Solist Murray Perahia ins Spiel, der dem gerundeten, allen Rauigkeiten und Schroffheiten abholden Ansatz der Academy die glitzernde Krone Mozartscher Raffinesse aufsetzte. Alle Spannung war einer sich in gleitenden Figurationen bekundenden Sanftheit gewichen: Musik der anspruchsvollsten Wellness.

Keine Jagd, kein Schneiden

Ganz so weit kommt selbst ein Murray Perahia nicht bei Johann Sebastian Bach und dessen 3. Cembalokonzert BWV 1054. Die Transkription des E-Dur-Violinkonzerts in ihrem straffen zielorientierten Duktus hatte viel Drive; aber auch der blieb frei von jagenden oder schneidenden Momenten.

Für Murray Perahias Kunst der Verfeinerung und Kultivierung der indirekten musikalischen Rede bot die finale "Prager"-Sinfonie Mozarts großartige Belege. Die zweiten Themen hatten etwas von Stimmungswechseln, die sich nicht in griffigen Profilen zeigten, sondern wie schleichende Klimaveränderungen: Mozart als atmosphärische Kunst.

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