Oper Frankfurt

Ein kleines Orchesterkonzert im Frankfurter Opernhaus: Form annehmen

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
    schließen

Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester spielt Serenaden mit Fernklangwirkung und blickt nach vorne.

Die von einem Tag auf den anderen pulverisierten Orchester haben sich nach den jeweiligen Möglichkeiten wieder aufeinander zubewegt. Von Duetten über Quartette, Oktette, Nonette waren zum Saisonabschluss im Frankfurter Opernhaus nun doch zwei Dutzend Menschen auf der Bühne. Ein erhabener Moment. Um ihn vielleicht doch möglichst vielen seiner Mitglieder zu bieten, arbeitete das Opern- und Museumsorchester in zwei Schichten. Zwischen Antonín Dvoráks Serenade E-Dur für Streichorchester und Johannes Brahms’ Serenade Nr. 2 A-Dur für kleines Orchester wurde darum tüchtig desinfiziert, damit die nächste Runde Platz nehmen konnte.

Das moderne Potenzial

Die Serenaden erschienen leichtfüßig und milde, aber auch unsentimental. Kapellmeister Nikolai Petersen ist ein unheimlich exakt wirkender Ordner. Aus dem gelegentlich Knochenlosen des Dvorák-Streichergeschehens (1876 uraufgeführt) formte er schöne, klar geschliffene Konturen. Wie sich in den Details von gegenständlichen Gemälden gelegentlich das Abstrakte bereits zeigt, wurde auch hier das moderne Potenzial hinter der süffigen, aber eben vor allem straff und kernig dargebotenen Musik offenbar. Das drückte nicht auf die Stimmung. Dem bezirzenden zweiten Satz, „Tempo di Valse“, ist wohl kaum mit mehr Finesse zu begegnen, als es hier geschah.

Für Brahms’ 16 Jahre zuvor uraufgeführte Serenade wurden die hinzutretenden Bläser so regelkonform auf Distanz gehalten, dass die Hörner fast schon eine Fernwirkung bekamen: Reizvoll für den gelegentlich ländlich-sittlichen Charakter dieses eine wohleingerichtete Schlichtheit suchende und findende Werk.

Der Aufwand – wer sitzt wo, wann kann man seine Maske ablegen, wie grüßt der Dirigent den Konzertmeister (Petersen wählte das pantomimische Händeschütteln) – ist keine Spielerei. Während der durchaus anhaltenden Desinfektionsphase sprach Intendant Bernd Loebe ein paar Worte. Einerseits zeigte er sich ein wenig ermüdet angesichts von anscheinend allenthalben eintrudelnden modifizierten Regelwerken zum Vorgehen. Andererseits lobte er die Vorsicht, die sich doch – blicke man auf die Entwicklung in weniger vernünftig regierten Ländern – auszuzahlen scheine. Erst an diesem Morgen, so Loebe, sei die Ansage gekommen, dass künftig wohl 25 bis 30 Personen in den Orchestergraben dürfen.

Die „Puritaner“-Wiederaufnahme Anfang September, so Loebe, sei derzeit mit einem 24-köpfigen Chor geplant, „Figaros Hochzeit“ solle ohne Chor auskommen, für beide Opern sei eine reduzierte Spieldauer von zwei pausenlosen Stunden geplant. Gian Carlo Menottis „The Medium“, aus dem Bockenheimer Depot ins Opernhaus geholt und mit einer Art mystifizierendem Vorspann angereichert, ist dann die erste Premiere. Wird ein Hauen und Stechen um die Karten geben. Von „Etappen auf dem Weg zum normalen Opernbetrieb“ sprach Loebe.

Das Publikum klatschte sich anschließend wohlgemut in Richtung einer Zugabe, bekam aber keine. Keine Zeiten für Überfluss.

Kommentare