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Die Alte Oper Frankfurt.

Mitsuko Uchida in Frankfurt

Die kleine Leichtigkeit

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Mitsuko Uchida, eine der originellsten Gestalten unter den Aktiven am Klavier, spielt in der Alten Oper Frankfurt Mozart und Schumann.

Mitsuko Uchida, Expertin für den leisen Anteil am Spiel auf dem Pianoforte, begann in der Alten Oper Frankfurt diesmal mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate Nr. 16 in C-Dur. Das Werk wurde unter ihren erstaunlich großen Händen natürlich noch schwereloser, als es ohnehin ist, kam mit der Lieblich-, Lässig- und Selbstverständlichkeit eines Kinderliedchens daher. Zugleich war die Leichtigkeit so fragil, das Piano so delikat, dass man geradezu um sie fürchten musste. Gut, dass der Klingelton „Nostalgie“ diesmal erst bei Robert Schumann durch den Großen Saal schrillte.

Mozarts Stücklein, berühmt für die schulbuchmäßige Nachvollziehbarkeit des Sonatenhauptsatzes, wurde ursprünglich als „kleine Klaviersonate für Anfänger“ vermarktet, dann immer noch als „leichte Sonate“. Die generelle Komplexität Mozartischer Leichtigkeit, bei der dem Spielenden die technische Übersichtlichkeit nur im frühen Klavierunterricht, aber nicht im wirklichen Leben weiterhilft, nimmt hier besonders deutlich Gestalt an. Das muss man erst einmal wagen, das muss man können, ein solches Werk in einem großen Konzert zu spielen. Mitsuko Uchida, im Dezember 68 Jahre alt geworden, war dabei ganz bei sich, schien lediglich zu tun, was ihr gemäß ist und allen Ernstes leicht fällt.

Mozart, der 1756 auf die Welt kam, und Schumann, der 1856 starb, brachten es zusammen gleichwohl nicht einmal auf hundert Lebensjahre. Fast zwanzig Jahre lagen zwischen dem Tod des ersteren und der Geburt des zweiteren. Die immensen Veränderungen, die in diesem überschaubaren Zeitraum in der Musikwelt eintraten – und unsere Ängste vor beschleunigtem Fortschritt zumindest relativieren –, zeigten sich nun in Schumanns „Kreisleriana“, 1838 und damit genau fünfzig Jahre nach der Mozart-Sonate entstanden.

Exaltiertheit ist nicht ihr Fall

Die Auflösung üblicher Form hin zu einer Musik, die alles darf und alles kann, wurde von Uchida mit einer freundlichen Armbewegung vollzogen. Das Sprudeln, Gleiten, Donnern, das jetzt auch die Vehemenz hören ließ, die der Musikerin zur Verfügung steht. Nicht maximaler Transparenz gehörte dabei ihr Hauptinteresse, sondern maximalem Ausdruck, eine Art Gesamtheit der Musik. Der genialische Wahnsinn des literarischen Namensgebers, des Kapellmeisters Kreisler von E. T. A. Hoffmann, interessierte sie dabei übrigens offenbar weniger, wie Exaltiertheit ihr insgesamt nicht liegt. Umso geschmeidiger passte sich Schumanns abschließende C-Dur-Fantasie ein, mit dem Groove der Romantik.

Uchida, eine der originellsten Gestalten unter den Aktiven am Klavier, war am Ende wie benommen. Wie das Publikum abwartete mit dem Applaus, war auch ein schönes Zeichen des Respekts, wobei am Ende doch sichtbar wurde, dass Musiker und Zuhörer nie wirklich das gleiche Erlebnis haben können.

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