Jazz in der Fabrik

In der Klarheit der musikalischen Ideen

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Das Klaus Heidenreich Quartett frisch und originell in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen.

Das Jazzfestival in der so zentral wie verwunschen in einem Hinterhof gelegenen Fabrik unweit des Südbahnhofs im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen kann man in seinem dritten Jahr als etabliert betrachten, mit Aussicht auf Bestand. Das Programm an den drei Abenden ist attraktiv, der Zuspruch am gemeinsam mit der Jazzinitiative ausgerichteten ersten Abend mit dem Klaus Heidenreich Quartett rege, bestens besucht ist der schlauchförmige Backsteingewölbekeller. Die wundersame Vermehrung der Jazzfestivals in der Stadt binnen weniger Jahre von einem auf – sämtlich im Herbst gelegene – drei mit dem seit der Nachkriegszeit alteingesessenen Deutschen Jazzfestival sowie dem gleich jenem in der Fabrik noch jungen Festival Multiphonics stellt einen enormen Gewinn dar. Dass ungeachtet der medial beschworenen neuen Hipness des Jazz auch in der Fabrik wiederum der Altersdurchschnitt im Zuschauerraum bei „Renteneintritt umspielt“ liegt, steht auf einem anderen Blatt.

Solange bloß grandiose Musiker am Werk sind, ist letztlich jede historische Spielart des Jazz unverwüstlich. Klaus Heidenreich, Jahrgang 1984, ist ein begnadeter Posaunist, einer der beachtlichsten seiner Generation; seit 2008 ist der Kölner Mitglied der NDR-Bigband, als Nachfolger von Nils Landgren, 2009 hat er sein bis heute beständiges Quartett gegründet. Unerhört ist die Geläufigkeit, mit der Heidenreich spielt, technisch scheint er keine Grenzen zu kennen, die selbstgefällige Virtuositätsschau indes ist ihm fremd. Das Quartett, ein erstrangig besetztes All-Star-Ensemble mit dem Pianisten Sebastian Sternal, Robert Landfermann am Bass sowie dem für den erkrankten Jonas Burgwinkel eingesprungenen Schweizer Schlagzeuger Silvio Morger, musiziert freisinnig auf dem Fundament der klassischen Jazzmoderne, mithin des Hardbops; die Solostafette geht reihum, mit allseits packend markanten Meldungen.

So tief das strukturell in der Tradition verwurzelt sein mag, über eine geschickt aufgemischte Handwerkskunst weist es weit hinaus. Es wirkt frisch und originell, in einer vollendeten Art. Bestechend ist die Klarheit der musikalischen Ideen, Heidenreich ist ein großartiger Komponist, zwischen beseelter Ballade und einem einnehmend swingenden Groove im mittleren Tempo. Das ist von musikalischer Beredtheit und Intensität. Sternal und Morger sind im Übrigen für den finalen heutigen Abend als Mitglieder des Quartetts um den Saxofonisten Daniel Guggenheim annonciert.

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