Hélène Grimaud mit dem Australian Youth Orchestra im Kurhaus Wiesbaden, Rheingau Musik Festival.
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Hélène Grimaud mit dem Australian Youth Orchestra im Kurhaus Wiesbaden, Rheingau Musik Festival.

Rheingau Musik Festival

Der Klang und die Gewalten

Manfred Honeck dirigiert das Australian Youth Orchestra, Hélène Grimaud spielt Klavier: Ein anspruchsvolles Programm beim Rheingau Musik Festival im Kurhaus Wiesbaden.

Mit einem schillernden, sehr anspruchsvollen Programm trat das groß besetzte Australian Youth Orchestra im Wiesbadener Kurhaus an. Manfred Honeck war der Dirigent, Pianistin Hélène Grimaud die Solistin, so dass die Zuschauer beim ausverkauften Konzert des Rheingau Musik Festivals die wirklich jungen Musikerinnen und Musiker vermutlich auch bei persönlichen Sternstunden erlebten. Das Konzert gehörte ganz zu Recht in die Festival-Unterreihe „Klanggewalten“, deren Name allgemein wirkt, aber hier wahrlich mit Leben gefüllt wurde.

Zuerst ein Australier, Carl Vine (Jahrgang 1954), und sein Feststück „Celebrare Celeberrime“, ein sorgfältig verkomplizierter Pomp, der im Hollywood-Rausch endete. Und vertrackt und sogar impressionistisch genug war, sich vor Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur nicht lächerlich zu machen. Grimauds Spiel war hier ausschlaggebend, zunächst von durchdachter Fiebrigkeit, einem seltsamen Phänomen. Lässig untertrieben musizierte sie im 2. Satz, der dem Klavier viel Platz gibt, und auch im 3. war sie immer dominant, gerade weil die Signale in Ton und Geste auf undramatisch standen.

Nach der Pause bahnte Honeck dem Orchester einen gangbaren Weg durch Gustav Mahlers 1. Sinfonie. Dass der Komponist auch erst 24 war, als er mit der Arbeit an „Der Titan“ begann, änderte nichts an der Härte der Aufgabe. Man bekam einmal, wie jungen Bläsern die Nerven flattern, wie sie aber auch triumphieren können.

Am Samstag wollte die ganze Truppe übrigens (mit anderem Programm) bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern auftreten. Allerdings konnten die Australier wegen Sturmwarnung nicht aus Frankfurt abfliegen. Grimaud spielte spontan Duette mit dem Cellisten Jan Vogler. Wie günstig, dass alle zur Verfügung stehenden Musiker sich in diesen Wochen gerecht auf die Sommerfestivalstätten verteilt haben.

Im Radio auf hr2-Kultur am 11. November 2016, 20.05 Uhr.

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