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Kit Armstrong und das Aris-Quartett: Sich einschwingen und aufschwingen

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Von: Bernhard Uske

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Kit Armstrong mit dem Aris Quartett beim Kammerkonzert der Museumsgesellschaft.

Kit Armstrong ist in dieser Saison Museumssolist und gab gemeinsam mit dem Aris Quartett ein Konzert in der Kammermmusikreihe der Museumsgesellschaft. War es der Name des zu den Stars der Szene zählenden US-amerikanischen Musikers mit taiwanesischen Wurzeln, war es das mit zwei gewichtigen Werken Schuberts und Schumanns bestückte Programm: der Mozart Saal in der Alten Oper Frankfurt war voll wie einst und das Publikum mit Begeisterung dabei.

Jenseits der Suche nach Erfolg

Los ging es mit sehr verhaltenen Klängen von Gabriels Fauré, dessen Spätwerk – hier in einer Auswahl seiner „Préludes“ – in typischer Sprödigkeit und Reduziertheit ganz den Senioralhabitus großer letzter Werke von Beethoven, Liszt oder Brahms atmet. Der Lack ist ab, die Tonsetzung tritt kahl hervor und scheint sich um Akklamation nicht zu scheren.

Armstrong betonte diesen Zug noch durch ein schütteres, manchmal fast tastendes Spiel. Der folgende Auftritt von Anna Katharina Wildermuth und Noemi Zipperling (Violinen) sowie Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) mit Franz Schuberts Rosamunde-Quartett erschien demgegenüber fast süffig.

Man kennt transzendierende Gestaltungen dieses a-Moll-Quartetts, das hier eine lebhaftere, wenngleich nicht vollgriffig sich gebende Klanglichkeit erhielt. Sie ließ das typische Schubert-Idiom der langsam fließenden Kreisbewegungen nicht zu sehr in den Vordergrund geraten. Das Modulationsgeschehen, mit dem Schubert Beethovens tektonische Kontrastdramaturgie ersetzte, blieb aber natürlich trotz angezogener Tempi dominant.

Dank des Museumssolisten konnte das Publikum nach der Pause eine Uraufführung aus der Feder des 30-Jährigen erleben. „Vier Präludien für Klavierquintett“ ist der Titel des zehnminütigen Stücks, das um im 20. Jahrhundert nahezu ausgestorbene improvisatorische Einschwinger und Einstimmer in das jeweils aufzuführende Werk kreist. Bei András Schiff kann man solche Praxis noch ab und an erleben. Jetzt war ein eigenes Stück daraus geworden, das in ungefährlichen harmonischen Gewässern verschiedene Typen solcher Appetizer vorbeiziehen ließ – von direkten Adaptionen solcher Spielmuster Alter Musik bis hin zu schwebenden und verwobenen Figurationen oder mit den Treibmitteln der Minimal Music versetzten Auftaktmachern.

Schwung und Nostalgie

Robert Schumanns Es-Dur-Klavierquintett erlebte man in glänzender Präsenz von Klangbild und Interpretation: jung-deutscher Schwung, nostalgischer Balladenton und schwärmerische Bewegung bis zu aufgewirbelten Marcia-Attitüden. Kit Armstrong als Primus inter Pares brachte zusammen mit dem bewegten Spiel des Aris Quartetts eine Schumann genau treffende, berauschende Wirkung hervor.

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