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Khatia Buniatishvili in der Alten Oper Frankfurt, um sie herum: Mitglieder des London Symphony Orchestra, dirigiert von Gianandrea Noseda. Foto: Sabine Siemon/Pro Arte

Alte Oper Frankfurt

Khatia Buniatishvili und das London Symphony Orchestra: Natürlich will man es immer wieder hören

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Khatia Buniatishvili und die Londoner spielen Tschaikowski in der Alten Oper Frankfurt.

Wie aber soll das Schöne zu schön, das Melancholische zu melancholisch, das Süffige zu süffig und das Effektvolle zu effektvoll sein? Kritik an der Musik Peter Tschaikowskis scheitert an der Praxis, diesmal der Darbietung des London Symphony Orchestra unter Gianandrea Noseda und der Pianistin Khatia Buniatishvili. Beim Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper Frankfurt spielten sie nicht nur das 1. Klavierkonzert, sondern danach gab es von den Londonern auch noch die 5. Sinfonie.

Buniatishvili, 1987 im georgischen Batumi geboren und inzwischen erfolgreich der langfristig stets etwas gefährlichen Zone des Wunderkinddaseins entwachsen, zeigte sich als frappierend sichere Virtuosin und echte Tastenlöwin. Dem keineswegs scheuen Orchester flitzte sie immer wieder voraus, um dann erneut zu verzögern, abzubremsen, nicht nur melancholisch, sondern regelrecht inniglich zu privatisieren und dem kontrastreichen Werk und Vortrag so einen weiteren Wendepunkt hinzuzufügen. Nichts vermulmte dabei in ihrem Spiel, das sich technisch auch nicht herausmogeln musste, sondern vielmehr eine angespitzte Transparenz an den Tag legte.

Ein einziger langer Atemzug

Der ewig lange erste Satz gestaltete sich im Aufeinanderdonnern der Ereignisse doch wie ein einziger enormer Atemzug, und es war schon erstaunlich, dass es Noseda gelang, dieses Ganze zusammenzuhalten. Die Wendigkeit des Londoner Orchesters half sehr dabei. Buniatishvilis wohltuende, wenngleich ein wenig verschwommene Schubert-Zugabe wirkte wie ein Angebot für die Spielerin und das Publikum, sich wieder abzuregen.

Dem stand nach der Pause aber direkt die 5. Sinfonie entgegen, in der Noseda und das Orchester, nun von allen Rücksichtnahmen gegenüber einer höchst selbstständigen Solistin befreit, großen Schwung nahmen. Dem schlanken Beginn – exzellent natürlich die Bläsersolisten der Londoner – folgten rabiate, regelrecht krasse Momente. Und immer wieder „das Schicksal“, dessen so penetrant wiederholte Melodie belegt, wie Theorie und Praxis im Urteil über den Komponisten auseinander klaffen. Denn selbstverständlich will man dieses Melodie immer wieder hören.

Bezaubernd schlicht und leicht der hier gespenstisch verwehende Walzer, gravitätisch der Beginn des wiederum langen Finales, dessen Schlussphase wie eine gigantomanische Kadenz erscheint. Während es kaum mehr möglich schien, wussten die Londoner die Steigerung und Zuspitzung aber bis zum Schluss fortzusetzen. Noseda war ein kraftvoller, auch kraftvoll mitsingender Dirigent.

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