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Ein Mann und eine Gitarre, das kann auch mal genügen.
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Ein Mann und eine Gitarre, das kann auch mal genügen.

Kevin Morby

In der Seele ein Lagerfeuer

  • vonStefan Michalzik
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Viel Einkehr, viel Wärme: Kevin Morbys Album „Sundowner“.

Sein letztes Werk, „Oh My God“, erschienen im vergangenen Jahr, hat Kevin Morby als Konzeptalbum deklariert. Ein pophistorisch betrachtet eher zweifelhafter Anspruch, mitnichten jedoch ist der US-amerikanische Sänger und Songschreiber an Überambition gescheitert. Für diesen großen Wurf verfolgte er in Abkehr von der Lo-Fi-Manier eine ausgreifende Soundästhetik, mit reichhaltiger Instrumentation, mit Klavier, Flöte, Posaune und Harfe sowie einem Gospelchor.

Mit der Arbeit an „Sundowner“, seinem sechsten Album, hat Kevin Morby schon im Winter 2017 begonnen. Dann gingen erst einmal ausgedehnte Konzertreisen vor. Nun hat Morby das Album in heimischer Intimität während des Frühjahrs-Lockdowns fertiggestellt, in einer ländlichen Idylle in der Nähe von Kansas City. Vor drei Jahren ist Morby – nach Zeiten in der umtriebigen Metropole New York wie auch im nicht minder quirligen Los Angeles – zurückgekehrt in die Landschaft seiner Jugendjahre, den mittleren Westen.

Das Album:

Kevin Morby: Sundowner. Dead Oceans/Cargo.

Die Instrumentierung ist karg, mitunter wirken die Aufnahmen skizzenhaft. Mag es eine Geburt der Umstände sein – für die Songs ist es ideal. Fundamental war die Arbeit mit einem Vierspur-Tonbandgerät; ein Großteil der Instrumente wie Gitarre, Mellotron und Harmonium hat Morby selbst eingespielt. Zur Gänze auf sich gestellt war er gleichwohl nicht, die Musikdateien wechselten hin und her zwischen ihm und seinem Produzenten Brad Cook, der auch Bass und Keyboards spielte. Darüber hinaus gibt es ein paar Beiträge weiterer Musiker.

„Sundowner“ (engl. für Absacker, Dämmerschoppen) klingt wie keines der fünf Soloalben davor nach Lagerfeuer. In der Tat heißt einer der Songs auch so – „Campfire“. „There’s a campfire inside my soul“ singt der 32-Jährige und gedenkt jung verstorbener Freunde, was gleichfalls für den Song „Jamie“ gilt, der ein wenig an Lou Reed erinnert. „Brother, Sister“ und „Don’t Go“ sind mit einer perkussiven Frickelei durchwirkt, die nach Elektronik klingt, aber auf das Schlagzeug zurückgehen dürfte.

Viel Einkehr also, viel Wärme zugleich. In Einsamkeit indes hat Kevin Morby die Zeit nicht durchweg verbracht, über mehrere Wochen hinweg war seine Liebste, Katie Crutchfield von Waxahatchee, auf Besuch in seinem Haus. Soweit es um Mutmaßungen zu einem Zusammenhang von Leben und Werk geht – oder vielleicht ja auch bloß um Klatsch, das sei dahingestellt: Von Unbeschwertheit geprägt ist beispielsweise „Don’t Underestimate Midwest American Sun“, mit den Textzeilen ,,I have fun with you, I have fun/And I hope you have fun with me too“.

Zwar hinkt der Vergleich zu Bob Dylan schwer, der in der internationalen musikjournalistischen Rezeption immer wiederkehrt. Gleich mehreren Nummern jedoch gebührt die Anwartschaft auf den Titel „Die beste Leonard-Cohen-Nummer der Saison“. „Brother, Sister“ etwa, oder auch dem Titelstück. Keineswegs ein neues Phänomen bei Morby, vielmehr vertraut seit dem Debüt „Harlem River“ vor sieben Jahren. Eine weitere Referenz zu „Sundowner“ stellt Bill Callahan dar, des weiteren Bruce Springsteen mit seinem allein aufgenommenen Album „Nebraska“ (1982) – bei allem eigenständigen Format Morbys.

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