Offenbach

Den Kennern Segen spenden.

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Uriah Heep zeigen sich im Capitol quicklebendig, den Zombies fällt das eher schwer.

Aus der Nähe sehen sie gar nicht so alt aus. Und im Offenbacher Capitol kommt man nah ran an die Band, die nächstes Jahr ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Wobei: Seit den Anfängen von Uriah Heep im Dezember 1969 dabei ist lediglich Gitarrist Mick Box, Sänger Bernie Shaw und Keyboarder Phil Lanzon aber auch schon wieder 30 Jahre, Drummer Russell Gilbrook seit bald zehn und Bassist Davey Rimmer immerhin fünf.

Ein neues Album ist gerade draußen, „Living The Dream“, das 25. Studioalbum der britischen Band. Sie weben ein halbes Dutzend Songs davon ins Set: straighte, melodiöse Rocknummern aus schwerem Metall die meisten; „Waters Flowin‘“ mit seinem Akustikklampfen-Intro könnte ein neuer Klassiker werden.

Den Oberklassiker aller Lagerfeuergitarristen haben sie ja schon vor Jahren hingelegt und spielen ihn in Offenbach mal eben mitten im Set weg: „Lady In Black“, das mit dem Ah-ah-ah. Fast stoisch schlägt Mick Box die Stahlsaiten, das Publikum singt mit. Die alten Stücke sind oft verspielter als die jüngeren, „July Morning“ etwa, „Sunrise“ oder „Rainbow Demon“.

Box und Sänger Shaw tragen schwarze Hemden mit „Hauptstadtrocker“-Logo, aber das hat ihre Coolness gar nicht nötig. Hinter seiner Sonnenbrille scheint Box selig zu lächeln; gelassen schüttelt er Riffs und Soli aus dem indianertürkisarmbandgeschmückten Handgelenk. Oft hammert er linkshändig auf die Saiten und verteilt derweil mit der freien Rechten Segens- oder Zaubergesten.

Mit Phil Lanzons schweren Hammond-Riffs und Shaws Power-Stimme wurzelt die Band tief in den Anfängen des britischen Hard Rock, mit Weggefährten wie Deep Purple und Black Sabbath. Weiße Mähnen hindern die Herren nicht daran, rhythmisch die Häupter zu schütteln.

Noch einen Schritt weiter in die musikalische Prähistorie hat die Vorband geführt: The Zombies markierten einst den Übergang vom Beat zu Prog und Psychedelia. Ihr Album „Odessey and Oracle“ von 1968 errang allerdings erst nach und nach den Ruf eines Meilensteins – da hatte sich die Band schon aufgelöst.

Keyboarder Rod Argent und Sänger Colin Blunstone sind aus der Originalbesetzung unterwegs. Letzterer sieht aus, wie die Band heißt – es haben sich nicht alle so gut gehalten wie die Jungs von Uriah Heep. The Zombies spielen im Capitol vor allem die Hits der Band, „Tell Her No“, „She’s Not There“ und „Time Of The Season“. Dazu „Hold Your Head Up“ von Argents späterer Band Argent und „Old And Wise“, das Blunstone mit Alan Parsons Project sang. Der Funke will nicht recht überspringen, obwohl viele Kenner im Publikum sind. Zu sehr wirken die Zombies wie Raubgräber ihrer eigenen Backlist. Uriah Heep ist quicklebendig dagegen.

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