1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Kelvin Jones im Kurpark: Wege ins Publikum

Erstellt:

Von: Marcus Hladek

Kommentare

Kelvin Jones. Foto: Ansgar Klostermann/RMF
Kelvin Jones. Foto: Ansgar Klostermann/RMF © Ansgar@Klostermann.net

Zu fröhlich, um echt zu sein: Kelvin Jones im Kurpark Wiesbaden.

Musik vieler Stile, Genres und manchmal auch Niveaus zu bieten, zählt zum Daseinsprinzip des Rheingau Musik Festivals. Mit Gästen wie jetzt Kelvin Jones im Wiesbadener Kurpark bedient es sich zum Beispiel bei der populären Vox-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“, an deren neunter Staffel er bis Juni teilnahm. Ein Thema dort ist ja die „Neugeburt großer Songs“ aus Cover-Versionen nebst freundlicher Kritik, und da Jones’ Karriere 2014 mit dem viralen Posting „Call You Home“ begann, also just so alt ist wie „Sing meinen Song“ selbst, passte das gut. Das RMF wiederum blinzelte mit Kelvin Jones’ Sommertour-Konzert „This Too Shall Last“ zugleich ein wenig über den Rhein zum ZDF-„Fernsehgarten“, der sonntags früh Millionen versorgt. Als Animateur in eigener Sache sorgte Jones im Kurpark jedenfalls für ganz ähnliche Stimmung.

Wie also würde sich Kelvin Jones im Einzelkampf schlagen? Zunächst einmal „cum tempore“: mit Verspätung, dann aber, wie angedeutet: als animationsfreudiger Partymacher. Da er alleine auf der Bühne stand und sich den Großteil seiner Musik vom Band oder aus der Datei einspielen ließ, um nur ab und an zur verstärkten Akustik- oder E-Gitarre und den Keys zu greifen, gelegentlich noch mit Sonderapplaus für die Bravour am Instrument, präsentierte sich der Singer-Songwriter eben wirklich vor allem als Sänger und von Beginn an als zappelnder Anheizer.

Ein Kameramann hielt fest, wie sich der simbabwisch-britische 27-jährige Berliner um sein Publikum mühte, das äußerst bereitwillig mitging. Nämlich mit immer neuen Ansagen, mehreren Wegen ins Publikum, der Einladung seiner größten Bewunderin auf die Bühne, immer neuen Appellen zum Aufstehen und Mittanzen, ein wenig Duckwalk hier und vielen Anreden mitten im Song dort.

Die Songs noch einzeln aufzuzählen, brächte wenig. Kelvin Jones hatte sich die Tonanlage extralaut einstellen lassen, dass es mitunter nur so in den Leitungen brummte.

Brot und Butter

Dabei gab es neben den Partysongs etwa ebenso viele klassische Songwriter- und soulig-bluesige Stücke, die teils freilich wirkten, als habe Jones nur jeweils einen guten Einfall zugrundegelegt, statt vielleicht zu bündeln und mehr Dramaturgie in die Sache zu bringen. Ohne Jones seinen beim Publikum erfolgreichen Auftritt verhageln zu wollen, lagen zwischen diesem und dem phänomenalen Doppelkonzert mit Shirley Davis und Indra Rios-Moore letztens auf Schloss Vollrads denn doch Welten. Schön, dass es beides gibt, immer nur Kaviar und Trüffel wäre ungesund, Brot und Butter und Kartoffeln mittenmang erhalten die Geschmacksnerven am Leben.

Dem Kritiker aber war das trotz guter Momente, aus denen Jones zu wenig macht, zu viel „Fernsehgarten“ oder „Fernsehpark“, nur ohne Fernsehen, also das, was hier einmal ein bizarrer Mix aus Bundesgartenschau und musikalischem Allerlei genannt wurde: mehr als eine Spur zu fröhlich, um echt zu sein.

Auch interessant

Kommentare