W-Festival

Kekse zum Gras

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die brtische Trip-Hop-Legende Morcheeba eröffnet das Frankfurter W-Festival im ausverkauften Gibson. Die Leute begleiten Sängerin Skye Edwards begeistert im Chor.

Die britische Band Morcheeba hat vier gute Typen auf der Bühne und eine Sängerin mit einer Aura, die Hallen ausfüllt. Also nichts wie hin zum Start des Frankfurter W-Festivals im randvollen Gibson-Club.

Das W-Festival – ursprünglich „Women of the World-Festival“, angetreten, die Welt weiblicher zu machen – vereint seit 2012 jährlich die Shows etablierter Künstlerinnen mit Startchancen für Nachwuchskräfte. Den Abend eröffnet Leona Berlin aus Hügelsheim mit einem enorm sympathischen Auftritt. Ihre zweite Teilnahme nach 2017, diesmal vor deutlich größerem Publikum. Die Leute im Gibson werden fortan beste Laune haben und mitsingfreudig sein. Vor allem werden sie Naa-naa-nananana-freudig sein.

Es gibt sie aber nun doch wieder

Morcheeba gibt es, wie so vieles, was in den 90er Jahren erfolgreich war, eigentlich nicht mehr, aber nun doch wieder. Auf dem Höhepunkt der Trip-Hop-Welle waren die drei Briten ganz oben dabei: die Godfrey-Brüder, Sängerin Skye Edwards und ihre schleppenden, mitunter düsteren, aber melodischen Songs.

Genau an dieser Stelle trifft man sich wieder, als die Band auf die Bühne kommt, Nebel, dröhnender Bass. Die Frau am Mikrofon mit Hut und feuerrotem Flokati-Kleid, seit 1996 offensichtlich um keine Sekunde gealtert. Sie schüttelt den Kopf, wenn sie Lieder wie „The Sea“ oder „Never An Easy Way“ singt, gemeinsam mit den Leuten. „Das ist zwanzig Jahre alt“, sagt sie dann – „twenty!“

Im Publikum, überwiegend deutlich älter als zwanzig, zeichnet sich ein Trend ab: Man geht mit Rucksack ins Konzert, darin Proviant, gerade im Umfeld beweglicher Feiertage. Eine Frau muss an der Einlasskontrolle eine Packung Kekse draußen lassen. Hoffentlich hat sie den Abend ohne Hungerast überstanden.

Die Regie taucht die Musiker in fantastisches Licht, meist von hinten angestrahlt. „Blaze Away“, den Titelsong des neunten Morcheeba-Albums, das im Juni erscheint, kündigt Skye Edwards als „eines unserer Lieblingslieder“ an. Sie spricht von sich und Ross Godfrey, dem Gitarristen. Der Dritte im Bunde, der DJ Paul Godfrey, stieg vor fünf Jahren aus. Danach gab es Gerangel um den Bandnamen; zeitweise musste das Duo mit seinen Gastmusikern als Skye & Ross weitermachen. Morcheeba ist übrigens nicht der Ruf nach mehr Katzenfutter; Cheeba sagen die Briten auch zu Gras, das man rauchen kann.

Atmosphärisch am größten sind die dunklen, lasziven Stücke aus den 90ern, aber gute Laune machen etwa „Blood Like Lemonade“ (2010, Naa-naa-nananana), dann nach etwa zwanzig Jahren Wartezeit auf die Zugabe das ganz neue „Sweet L.A.“ und schließlich „Rome Wasn’t Built In A Day“.

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