Unknown Mortal Orchestra

Er hat kein Problem damit, Hit an Hit zu reihen

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Der staunenswerte Frickler Ruban Nielson mit seinem Unknown Mortal Orchestra im Frankfurter Zoom.

Der erste Song gerät schon völlig außer Rand und Band. „From the Sun“, Eröffnungsstück des zweiten Unknown Mortal Orchestra Albums von 2013, beginnt als kleiner, verschrobener Low-Fi-Hit, wie man ihn seit Jahren kennt und liebt. Bis er plötzlich ausufert und alle Form verliert und UMO-Mastermind Ruban Nielson mit seiner Gitarre von der Bühne springt, durch das Publikum läuft, kurz am Tonpult stehen bleibt, mit dem Mischer einen Drink nimmt, ohne je sein Gitarrensolo zu unterbrechen, wieder quer durch das Publikum wandert, auf die Bühne zurückhüpft, um dann direkt in „Ffunny Ffrends“ vom UMO-Debütalbum hinüberzugleiten.

Zwei Sachen wären damit sofort geklärt. Erstens: Ruban Nielson hat kein Problem damit, Hit an Hit zu reihen. Zweitens: Was live passiert, muss nicht allzu viel mit dem zu tun haben, was Nielson mit Unknown Mortal Orchestra im Studio erfindet. Immer wieder schafft er Freiräume, in denen sich seine Songs mal experimentell, mal noiselastig ausbreiten und verlieren können.

Eindeutigkeit war ohnehin noch nie seine Sache. Die Musik des Unknown Mortal Orchestra oszillierte seit je, Psychedelica, Prog Rock, Beat, Funk, Prince, all das kann Ruban Nielson in einen unwiderstehlichen Vier-Minuten-Ohrwurm pressen. Jetzt kommt eben noch eine Freejazz-Jam-Session dazu.

Nielson ist ein Nerd und Frickler, der sich tagelang in seinen Keller einschließt, um an neuen Effektboards zu basteln, mit denen er seine Sounds noch einmal und noch einmal verfremden und manipulieren kann. Zugleich ist der Neuseeländer, der seit einem Jahrzehnt in Portland, Oregon lebt, ein begnadeter Songwriter, eine Hitmaschine mit einem ganz besonderen, eklektischen Blick auf die Möglichkeiten von Popmusik.

Im Studio wirkt alles ganz genau kalkuliert und ausgehört, wie besessen feilt Nielson hier am Klang, ohne seine Rauheit und Ambivalenz zu verlieren. Im Zoom in Frankfurt lässt er dagegen die Spontaneität des Augenblicks zu und stört sich auch nicht daran, mal überraschend untight zu sein. Dafür hat er ein generationsübergreifendes Quartett neben sich auf der Bühne, Schlagzeug, Bass, an den Keys sein Vater, der auch mal zur Trompete oder zum Saxofon greift.

Kaum 70 Minuten spielen sie bei ihrem Frankfurter Konzert, zwei Zugaben inklusive. Das ist kurz, aber es kann auch genau richtig sein.

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