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Ana Moura beim Rheingau Musik Festival in Bad Homburg.

Ana Moura beim Rheingau Musik Festival

Kein Abschied vom Fado

Ana Moura sieht beim Rheingau Musik Festival im Kurtheater von Bad Homburg von endgültigen Entschlüssen ab. Gut so.

Von Gerd Döring

Regen und Sturm zwangen das Rheingau Musik Festival umzudisponieren. Nicht im Kurpark von Bad Homburg, sondern im plüschigen Ambiente des Kurtheaters singt Ana Moura ihre Version der portugiesischen „saudade“, erzählt von enttäuschter Liebe, Weltschmerz und Trauer.

Mit traditionellem Fadogesang ist die Sängerin mit der markanten Altstimme in ihrer Heimat bekannt geworden und schon ihr erstes Album „Guarda-me a vida na mao“ wurde in Portugal zum Verkaufserfolg. Aber auch wenn die so eigene lusitanische Volksmusik seit 2011 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört – Erfolg hat man außerhalb Portugals mit dem nationalen Kulturgut selten.

Aber man findet zuweilen Anerkennung unter Kollegen. Tatsächlich hat ihr Auftritt mit Mick Jagger im Stadion von Sporting Lissabon 2007 Ana Moura weltweit bekannt gemacht und zu ihren Bewunderern gehören seither nicht nur Jagger & Co., sondern auch der fadobegeisterte Prince.

„Weg-vom-Fado“

Seit längerem schon arbeitet Moura mit bekannten Komponisten der jüngeren Generation zusammen wie Manuel Cruz, Pedro da Silva Martins oder Miguel Araújo, um den klassischen Fado ein Stück weit zu entstauben. Auch auf „Desfado“ (meint so viel wie „Nicht-Fado“ oder „Weg-vom-Fado“), ihrem aktuellen Album, geht sie neue, andere Wege.

Den endgültigen Abschied vom Fado aber hat Ana Moura zumindest für diesen Konzertabend noch ein wenig hinausgeschoben.

Den Hintergrund für ihre Lieder liefert nämlich ein sehr traditionelles Gitarrenduo, das mit vertrauter Melancholie den Charakter des Abends bestimmt. Ângelo Freire mit seiner Guitarra portugues und der nicht minder famose Pedro Soares an der Viola do fado liefern Fado-Atmosphäre pur.

Beide sind sie auch auf der aktuellen CD zu hören, hier aber umgeben von einer illustren Musikerschar, die angeführt wird vom legendären Keyboarder Herbie Hancock. Klar, dass solche Größen nicht mal eben für eine Europatour zu haben sind und so kommen mit André Moreira (Bass), João Gomes (Keyboards) und Mário Costa (Perkussion) drei ambitionierte Landsleute zum Zug, die gemeinsam mit dem prominenten Gitarrenduo für einen doch sehr volksmusikantischen Abend sorgen.

Zuweilen, vor allem in den neueren Stücken, schleichen sich Pop-Elemente ein und mit Joni Mitchells „In case of you„ hat sich auch eine Coverversion unter die Fadolieder geschmuggelt. Ein Mix aus traditionellen Stücken und pop-lastigen Songs, mit dem das Quintett um Moura das Publikum schnell auf seiner Seite hat.

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