François Leleux in der Alten Oper

Und kaum ein Luftholen

Der Oboist François Leleux und die Geigerin Lisa Batiashvili bei hr-Sinfoniekonzert in Frankfurts Alter Oper.

Von Bernhard Uske

Eine künstlerische und eheliche Gemeinschaft bilden die 37-jährige Geigerin Lisa Batiashvili aus Georgien und der acht Jahre ältere Oboist François Leleux aus Frankreich. Leleux ist gegenwärtig Artist in Residence des hr-Sinfonieorchesters und in dieser Saison der hr-Sinfoniekonzerte in der Alten Oper des öfteren zu erleben. Ein Musiker, der die historische Musik ebenso pflegt wie die zeitgenössische, wovon sein Auftritt im Großen Saal mit den Radio-Sinfonikern Zeugnis ablegte. Für seine Frau gilt das ebenso, wenngleich sie wegen gesundheitlicher Probleme auf ihren traditionellen Klangbeitrag in Gestalt von Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert für Violine und Oboe verzichten musste und statt dessen das Nur-Oboenkonzert Bachs in d-Moll (BWV 1060R) zum Vortrag kam.

Leleux pflegt einen leichten, fast huschenden Ton, der perfekt und etwas unemphatisch, aber von feiner Klassizität ist. Im langsamen Mittelsatz des Bach-Konzerts allerdings von herrlicher Biegsamkeit und vom Luftholen kaum unterbrochener Großzügigkeit. Das hr-Sinfonieorchester unter Andrés Orozco-Estrada begleitete etwas kleinmütig und setzte kaum Akzente. Lisa Batiashvili kam dann gemeinsam mit Leleux beim Doppelkonzert von Thierry Escaich zum Einsatz.

Der 1965 geborene französische Komponist ist Organist an der Pariser Kirche Saint-Étienne-du-Mont und steht in der großen Tradition französischer Organisten, die von François Couperin bis Olivier Messiaen reicht: alles sowohl Instrumental- und Komponier- als auch Improvisationsvirtuosen. So trat der Komponist vor der Aufführung seines Werks von 2014 als Improvisator an der Orgel des Großen Saals auf. Überlegenes Variieren von Motiven aus dem gerade erst gehörten Oboenkonzert Bachs und der noch folgenden 4. Sinfonie von Johannes Brahms. Attraktive, das Dissonante als Reiz und Verdichtungsfaktor einsetzende Klanggebung, wie sie nur die Registerspannung einer großen Orgel ermöglicht. Dabei blieben die tonalen Kerne des Improvisationsmaterials im Fokus mit sowohl freigestelltem als auch volltönendem Akkord-Einsatz.

Thierry Escaichs anschließendes Doppelkonzert ließ im langsamen Satz aufhorchen, wo sich exquisite Klangflächen aus dem Zusammenspiel der Solo-Instrumente Geige und Oboe mit dem Tutti ergaben. Der Rest blieb flächig und blass mit wenig Solo-Distinktion. Brahms wurde zuletzt souverän in behändem Tempo, leicht und flüssig im Lyrischen und mit Gründerzeit-Streamlining im Prosaischen geboten.

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