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Hölderlin-Abend mit der Frankfurter Kantorei: Die gefährliche Liebe der Götter

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Von: Bernhard Uske

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Friedrich Hoelderlin
Friedrich Hölderlin. © akg-images GmbH/epd

Hölderlin-Musik mit der Frankfurter Kantorei.

Hölderlin – Spuren eines Grenzgängers“ war das Thema des Konzerts der Frankfurter Kantorei, das in der Heiliggeistkirche im Frankfurter Dominikanerkloster unter dem Motto „Wen die Götter lieben...“ stand. Der Hinweis auf die Götter – ein Wink mit Friedrich Hölderlins Naturgläubigkeit, deren öko-erotische Emphase im Rahmen einer einst sich entgötternden Moderne und ihrer Entfremdungserscheinungen scheinbar aktuell ist. Und doch nur abständig wirkt angesichts der Naturverwertungslogik von Windräder-Wäldern und Sonnenkollektoren-Feldern.

Gerhard Müller-Hornbach hatte für die Uraufführung seiner Komposition den Hölderlintext „Ich fühl in mir ein Leben“ gewählt. Außerdem präsentierte er eine ungewöhnliche Vokalisierung der 6. Sinfonie Ludwig van Beethovens, der „Pastorale“, durch Teile des Hölderlin-Gedichts „An die Natur“. Zudem erklangen drei der „Hölderlin-Fragmente“, die Hanns Eisler im US-amerikanischen Exil als Memento sozialer Natur vertonte („Die Heimat“, „An eine Stadt“, „Erinnerung“). Auch hier hatte Müller-Hornbach seine Hand im Spiel, erklangen die Stücke doch statt mit der originären Klavierbegleitung in seiner Transkription für Kammerensemble, die den nüchternen, isolierten und darin bewegenden Charakter der Miniaturen weicher und gefälliger machte.

Beethoven gewinnt immer

Am wenigsten störte der hallige Kirchenraum, der vieles an Farbigkeit und Verständlichkeit zunichte machte, bei der Müller-Hornbach-Uraufführung, die eine grundflächige, reich harmonisierte und gegen die Überakustik resistente Kontur besaß. Beethovens Pastoral-Sinfonie als eine Art Hölderlin-Kantate zu gestalten, ohne deren Gestalt zu verändern, war eine Win-win-Situation: den folklore-affinen Habitus Beethovens erhöhend und den höhenwindhaften Duktus Hölderlins erdend.

Die „Hyperion“-Vertonung des „Schicksalslieds“ von Johannes Brahms in einer Kammerversion von Adrian Russell war angesichts der schlechten Akustik eine gute Entscheidung, wie auch die, den hellen und unangestrengten Bariton Frederic Mörth mit den Soli bei Eisler und bei der Uraufführung zu betrauen. Winfried Toll, Leiter der Frankfurter Kantorei und Dirigent des anspruchsvollen Konzerts, konnte sich auf seinen gut präparierten Chor und das transparent und engagiert spielende Mutare-Ensemble verlassen.

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