Bauhaus-Album

Junge Deutsche Philharmonie: „Under Construction“ – Schau die Frau im Raum

  • vonStefan Michalzik
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Jetzt als Album: Das Bauhaus-Projekt der Jungen Deutschen Philharmonie.

Ich sehe ein Bild, ein Gemälde, geführt von kindlicher Hand...“ – derart beginnt ein Text der Slampoetin Leticia Wahl, der auf Paul Klees Bild „Blick in das Fruchtland“ abhebt. Was wie eine Bildbeschreibung anhebt, entwickelt sich zu einer freien Fantasie um das Verhältnis von Kunst und Ich.

Im vergangenen Jahr hatte die Junge Deutsche Philharmonie zum Bauhausjubiläum fünf junge Komponistinnen und Komponisten sowie die gleiche Zahl von Poetry-Slammerinnen und -Slammern eingeladen, sich mit fünf Gemälden von Künstlern aus dem Bauhaus aus der Sammlung des Frankfurter Städels zu beschäftigen und aus der Inspiration heraus eigene Werke zu schöpfen. Ökonomisch angeschoben wurde die Unternehmung durch den Kulturfonds Frankfurt und logistisch unterstützt durch die Hörfunk-Kulturwelle hr2. Das Konzertprogramm war auf einer kleinen Tournee, nun liegt eine Studioeinspielung vor.

Lied für eine Samthummel

Das Album

Junge Deutsche Philharmonie: Under Construction. Ensemble Modern Medien.

Josef Albers’ Quadrat-im-Quadrat-Bild „Study For Homage To the Square: High Autumn“ schreibt Samuel J. Kramer in seinem mit Emphase vorgetragenen „Poem After Study Of Study...“ unter anderem ein Lied für eine Samthummel im Volksliedstil zu. Den Komponisten wurde vorgegeben, für ein Bläserensemble mit Schlagwerk zu schreiben. Gerhard Müller-Hornbachs „Tiefen(t)räume“ greift intensiv die von der musikalischen Nachkriegsavantgarde geprägte Ästhetik eines Klangs der gespannten Schwebe auf.

„Also tanzten sie eine vage Contenance“: Spielerisch humorvoll erzählt Franziska Holzheimer ein Märchen über Lionel Feiningers „Dorfteich von Gelmeroda“; was sich ideal trifft mit dem auf Basis zeitgenössischer Tonsprache „romantisierenden“, in perkussivem Pendelrhythmus stehenden Stück „hin und her“ des kolumbianischen Komponisten Carlos Cárdenas.

„Schau die Frau im Raum“: Aus dieser am Anfang stehenden Reverenz an die konkrete Poesie entwickelt die Berlinerin Tanasgol Sabbagh in ihrer „Konstruktion“ nach László Moholy-Nagys Bild gleichen Titels eine geistreich maliziöse Satire auf die Eitelkeit einer Schickeriafrau, deren Bestreben es ist, im Museum auch selbst die Schau zu sein. „Transparent“ von der estnischen Komponistin Marianna Liik scheint sich mit seiner Tieftönigkeit unmittelbar auf die dunklen Farbtöne des Bildes zu beziehen. Weniger offenkundig ist die Beziehung der flirrenden Texturen und virtuosen instrumentalen Turbulenzen in Martin Grütters „Farnblüte“ für sechs Bläser und Vibraphon zu Paul Klees „Blick in das Fruchtland“.

Einer Rapnummer gleich rhythmisiert im Sinne eines Flows in Sprache und Vortrag ist „rahmen hand songs“ von Dalibor Markovic, der Oskar Schlemmers Bild „Halbfigur nach links“ zum Ausgangspunkt für Reflexionen um den Motivkreis Zeit, Veränderung und Vergänglichkeit nimmt. Die Archaik der pochenden Rhythmen in der Komposition „Eine Figur“ von der Usbekin Aziza Sadikova erinnert an Strawinskys „Le sacre du printemps“.

Unter der Leitung der jungen Dirigentin Corinna Niemeyer agiert das aus Mitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie zusammengesetzte Kammerensemble mit Sinn für Klanglichkeit in allen Facetten und animierter Frische des Zugriffs.

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