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Alte Oper Frankfurt

Junge Deutsche Philharmonie in der Alten Oper: Was sind schon 320 Jahre?

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Die Junge Deutsche Philharmonie spielt Taufrisches beim Festival „Fratopia“ in der Alten Oper Frankfurt.

So originell ist es nun auch wieder nicht, um das Orchester herum und entsprechend näher dran zu sitzen – Alltag im Gewandhaus Leipzig, zum Beispiel –, aber gerade im Riesenschuhkarton der Alten Oper Frankfurt war es doch ein besonderes Erlebnis. Auch eine Desorientierung der schönen Art, Dirigent André de Ridder schaute vorab fix hinter sich, und da war in der Tat schon unsereiner und konnte praktisch mit in die Noten gucken. Bei guten Brillengläsern, denn selbstverständlich wurden alle erforderlichen Abstände eingehalten.

„360 Grad“ hieß das Konzert zum Festival „Fratopia“ mit der Jungen Deutschen Philharmonie und einem offenen, offenherzigen Programm. Sicher wohlbedacht, auch in den Orchesterstücken mit attraktiven Momenten für Soloeinsätze, aber zugleich untheoretisch und quicklebendig.

Das fiel in den beiden größeren und vertrauteren Titeln naturgemäß mehr auf: Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur KV 482 gestaltete der Pianist Kit Armstrong so präzise wie energisch, das Orchester auf Draht, ungemein kompakt und beweglich. Als Zugabe spielte Armstrong Schönberg – das klinge modern, obwohl es das nicht sei, so der Musiker zu Recht. Zu Mozart verhielt es sich wie ein Kandinsky zu einem Thomas Gainsborough. Der Abend endete mit Schumanns 4. Sinfonie, in der de Ridder uns hören ließ, wie unerhört neu sie einmal war. Dass ein Orchester, das doch seinem Wesen nach ein Durchlauferhitzer für Begabungen sein muss, einen dermaßen homogenen, dabei biegsamen, wendigen Gesamtklang bietet, war wieder verblüffend und durch die Nähe noch erschütternder als sonst.

Davor und dazwischen neue Musik, aber auch zum Teil nicht mehr so neu. Miriam Raspe startete den Abend unverzüglich mit dem fulminant dargebrachten Posaunensolo „Basta“ (1982) des 2017 verstorbenen schwedischen Musikers Folke Rabe, in dem Virtuosität und Selbstironie gleichermaßen zur Geltung kamen. Uwe Mattes und Tido Frobeen spielten an Vibraphon und Marimbaphon eine „Toccata“ (1992) von Anders Koppel, ein kontrastreiches Bravourstück für Genauigkeitsfanatiker, und auch hier zeigte sich, wie gewitzt absolute Musik sein kann. Und wie faszinierend gut der Kontakt zwischen Musikern funktioniert, die an sich ständig auf ihr Instrument starren müssen.

Das Orchester spielte schließlich „Three Hundred and Twenty“ (2020) von Bryce Dessner und Woodkid – ein Minimal-Music-Wirbel, den der Amerikaner und der Franzose um ein (320 Jahre zuvor entstandenes) französisches Barockwerk herum gearbeitet haben. Taufrisch.

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