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Julia Fischer und Tarmo Peltokoski im Rheingau: Nichts geht verloren

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Von: Judith von Sternburg

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Tarmo Peltokoski. Foto: Ansgar Klostermann/RMF
Tarmo Peltokoski. Foto: Ansgar Klostermann/RMF © Ansgar Klostermann/RMF

Geigerin Julia Fischer und Dirigent Tarmo Peltokoski im Wiesbadener Kurhaus.

Beim Rheingau Musik Festival wird nicht alles, aber manches sinnig arrangiert: Schneisen für ein Publikum, das zwischen den vielen Terminen verloren gehen könnte. Julia Fischers Auftritt im Wiesbadener Kurhaus war der vierte (und letzte) der diesjährigen Fokus-Künstlerin, zugleich gehörte das Konzert zu einem opulenten Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Wochenende. Dazu noch: eine Preisverleihung!

Das Violinkonzert – vom Komponisten bei einem Erholungsaufenthalt im nahen Bad Soden am Taunus fertiggestellt – stand vor der „Schottischen“ Sinfonie Nr. 3 auf dem Programm, die jeweiligen eindringlichen und auch eindringlich häufig wiederholten Eingangsmotive der beiden Mendelssohn-Klassiker begleiteten einen nachher in die Nacht hinaus. Julia Fischers entspannt wirkende Virtuosität kam zumal in der wilden Jagd des Schlusssatzes in ihrer ganzen Brillanz zur Geltung. Als Zugabe nahm sie aufs Feinste Paganinis 24. Caprice auseinander und setzte sie wieder zusammen, nichts verwischte, keine Note ging verloren.

Der Finne Tarmo Peltokoski, Anfang 20 und auch als Pianist erfolgreich, zeigte sich im Violinkonzert vor allem als aufmerksam lauschender und vermittelnder Dirigent der Kammerakademie Potsdam, ohne dabei passiv zu wirken. Hören ist eine veritable Haupttätigkeit in der Musik.

Nach der Pause in der 3. Sinfonie zeigten sich erst recht Farbenreichtum und Beweglichkeit des 2000 gegründeten Orchesters - das damit immer noch eine Spur älter ist als der Dirigent. Am Anfang Zoltán Kodálys „Tänze aus Galánta“, ein kerniger Auftakt, der im Auf- und Abschwellen des Orchesterklangs das Tutti der Kammerakademie sofort in voller Fahrt zeigte. Peltokoski tanzte da auf seinem Podest und war in seiner Verve, Flexiblität und musikalischen Neugier auch der einleuchtende Preisträger: Der Lotto-Förderpreis, mit 15 000 Euro dotiert, wurde ihm nachher zusammen mit einem Objekt überreicht und soll ihm bitte weiterhin Glück bringen. Demnächst hoffe er, so Peltokoski auf Englisch, zum Publikum in bestem altmodischen Wagner-Deutsch sprechen zu können. Das glaubt man ihm sofort.

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