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Julia Fischer und die Bamberger in Wiesbaden: Der leiseste Walzer der Welt

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Von: Judith von Sternburg

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Julia Fischer in Wiesbaden, links Dirigent John Storgårds. Foto: Ansgar Klostermann/RMF
Julia Fischer in Wiesbaden, links Dirigent John Storgårds. Foto: Ansgar Klostermann/RMF © Ansgar Klostermann/RMF

Rheingau Musik Festival: Die Geigerin Julia Fischer beim ersten „Fokus“-Konzert im Kurhaus Wiesbaden,

Viermal wird Julia Fischer beim Rheingau Musik Festival auftreten, das sie in den „Fokus“ nimmt und ihr in verschiedenen Formationen eine Bühne bietet. Zum Auftakt war sie mit den Bamberger Symphonikern im Wiesbadener Kurhaus, ein rasanter Abend. Robert Schumanns Violinkonzert in d-Moll schwebte wie aus einer anderen Welt ein, während es um ihn herum sehr unterhaltsam und zunächst robust zuging. Andererseits hat auch Schumanns Werk Kintoppqualitäten.

Jean Sibelius’ Tondichtung „Finlandia“ war zunächst gleichwohl weitaus donnernder als anschließend das sanfte, aufregende Grollen zu Beginn des Violinkonzerts. Der Dirigent John Storgårds, als Finne gewissermaßen prädestiniert für diese Nummer, wird wissen, wie es klingen muss: anscheinend nicht subtiler als zwingend erforderlich.

Mit sich selbst im Gespräch

Das Spiel von Julia Fischer dann umso filigraner, von beiläufiger Virtuosität und Souveränität, wobei die Solistin die Eigenheit, die Eigenartigkeit des Werkes nicht überspielte, sondern fein herausstellte. Die Violine, die ja früh und dauerhaft ganz eigene Wege geht, schien eher im lebhaften Gespräch mit sich und dem Tutti als im melodisch bequemen Fluss.

Der Kontakt Julia Fischers zum Orchester eng, das jetzt ganz weich und geschmeidig reagierte, ein Klangfarbenwechsel zur „Finlandia“, wie man ihn nicht jeden Tag erlebt. Mit einer Paganini-Caprice (der Nr. 17) als Zugabe hatte das Publikum in Wiesbaden übrigens noch lange nicht genug. Julia Fischer gab dem Konzertmeister jedoch einen tüchtigen Wink, diesen Teil des Abends zu beenden.

Nach der Pause ein britischer Evergreen, Edward Elgars „Enigma“-Variationen. Dem Farbreichtum des Orchesters kam das noch einmal sehr entgegen, jede der 14 Miniaturen ein Vergnügen für sich und anders als in England hierzulande gar nicht so oft am Stück zu hören. Wie die Enträtselung der musikalischen Scherze – und sehnsuchtsvollen Andeutungen – mehr als hundert Jahre nach der Uraufführung völlig an Relevanz verloren hat (Klatsch und Tratsch vergangener Zeiten), stimmt auch schon wieder melancholisch.

Der Sibelius-Walzer als Zugabe war wie eine Ehrenrettung für den Finnen und gewissermaßen auch für den Dirigenten, der nun zu einem solchen Piano, einem solchen Hauch von Musik fand, dass es vor Spannung kaum auszuhalten war.

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