Die Beatles um 1970 (v.l.n.r.: Paul McCartney, Ringo Starr, John Lennon, George Harrison).
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Die Beatles um 1970 (v.l.n.r.: Paul McCartney, Ringo Starr, John Lennon, George Harrison).

George Harrison

Der jüngste Beatle

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Am Sonntag gäbe es George Harrison seit 75 Jahren, wenn es ihn noch gäbe.

Die Welt wäre hundertprozentig ein besserer Ort, wenn es die Beatles noch gäbe, die originalen Beatles natürlich, mit den vier originalen Ex-Pilzköpfen. Denn wenn es die richtigen Beatles noch gäbe, wäre John Lennon noch am Leben und George Harrison auch. Und an diesem Sonntag würde George Harrison 75 Jahre alt werden, als letzter Beatle. Dann kämen die vier auf jeden Fall zusammen, denn George hätte John und Paul und Ringo zum Tee eingeladen und einen Kuchen gebacken, Honey Pie vielleicht. „Ach, Honey Pie“, würden die Gäste dann sagen, „weißt du noch, wie wir vor 50 Jahren dieses Lied aufgenommen haben, 1968? Da hast du mal nicht die Gitarre umgehängt, sondern einen sechssaitigen Bass.“ – „Ja“, würde George antworten, „und John spielte dieses brillante Solo – es klang wie Django Reinhardt oder so. Es war eines dieser Soli, bei denen du einfach die Augen zumachst und die richtigen Noten triffst. Es klang wie ...“ – die anderen drei fielen im Chor ein – „ein kleines Jazz-Solo, jaahaa.“ – „Woher wisst ihr das?“, würde George fragen. „Steht doch in der Beatles-Bibel unter H wie Honey Pie.“ – „Noch ein Stück Kuchen, Ringo?“

Natürlich wäre die Welt auch ein lustigerer Ort, wenn es die echten originalen Beatles noch gäbe, die 1968 ein Lied wie „Honey Pie“ aufnahmen, während alle anderen Peace und freie Liebe und diese Dinge starteten. Aber die Beatles: Honey Pie, Zuckerschnute, du machst mich crazy, ich bin verliebt, aber faul, also kannst du bitte nach Hause kommen?

Gut, das war eine Ausnahme. Wenn jemand 1968 Peace und Love und vor allem Hare Krishna machte (und auch schon 1967), dann ja wohl die Beatles und ganz besonders George Harrison. Da hatte er längst den Herrn Maharishi Maresh Yogi kennengelernt und sein spirituelles Trainingscamp in Indien besucht und befand sich auf dem Weg zu einem der beeindruckendsten Rauschebärte im Musikbusiness. Ein früher Friedens-Hipster war der jüngste Beatle, rein gesichtshaarmäßig, ein Hipster mit Inhalt.

George Harrison komponierte unglaublich schöne Beatles-Lieder wie „Something“, „Here Comes The Sun“, „You Like Me Too Much“ und natürlich vor allem: „While My Guitar Gently Weeps“. Das sind Lieder, bei denen du einfach die Augen zumachst, und die Noten treffen dich. Wenn er nicht gerade wunderbare Musik komponierte, half George anderen Leuten bei der Arbeit, etwa der Monty-Python-Truppe als Produzent des Films „Das Leben des Brian“, und er spielte in der Supergroup The Travelling Wilburys mit Jeff Lynne, Roy Orbison, Tom Petty und Bob Dylan.

1999 stach ein Verrückter George Harrison nieder. Seine Frau Olivia rettete ihn, indem sie den Angreifer mit einem Schürhaken traktierte. Zwei Jahre später konnte sie nichts mehr für ihren Mann tun, da hatte der Lungenkrebs den 58-Jährigen besiegt.

„Aber den berühmtesten Song eines Beatles nach der Beatles-Zeit habe ich geschrieben“, würde George Harrison sagen, wenn er am Sonntag seinen 75. Geburtstag im Kreise seiner Band feierte: „My Sweet Lord.“ – „Du meinst, du hast den erfolgreichsten Song bei den Chiffons abgeschrieben“, würden die anderen drei im Chor krähen und „Halleluhuja!“ hinterheräffen und dann: „Happy Birthday, Georgie!“ George würde fragen: „Noch ein Stück Kuchen irgendjemand, noch eine Tasse Tee?“ Und die Welt, die wäre hundertprozentig ein besserer Ort.

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