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Wuchs mit der Schallplattensammlung ihres Vaters auf: Joy Denalane.
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Wuchs mit der Schallplattensammlung ihres Vaters auf: Joy Denalane.

„Let yourself be loved“

Joy Denalane: „In meinem Kopf gibt es keine Grenzen“

  • VonMichael Schleicher
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Die Berliner Musikerin Joy Denalane über ihre musikalische Prägung durch den Soul, die Leuchtsocken von Michael Jackson und das Album „Let yourself be loved“.

Joy Denalane, wie sehr sehnen Sie sich, wieder auf Tour zu gehen?

Sehr! Ich hatte ja schon das Vergnügen, im Sommer ein paar Strandkorb-Konzerte geben zu dürfen: Es war wunderbar, wieder mit dem Publikum interagieren zu können – und zu sehen, wie die Menschen sich freuen und mitgehen. Ich kann es wirklich kaum abwarten, auf Tour zu gehen. Und ich drücke uns die Daumen, dass alle Künstlerinnen und Künstler ihre Pläne umsetzen können.

Können Sie sich noch erinnern, was Ihnen durch den Kopf gegangen ist, als Sie bei Ihrem ersten Strandkorb-Konzert raus auf die Bühne gegangen sind?

Weniger durch den Kopf als durch den Körper: Das war, als wenn Licht angehen würde. Ein inneres Leuchten, das zuletzt ein bisschen gedimmt war. Ich hatte es fast vergessen!

Wie gehen Sie damit um, dass Sie nicht wissen, wie sich die Pandemie entwickelt – und ob Sie die Tour wie geplant spielen können? Wie motiviert man sich selbst, aber auch die Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne?

Mit einer gewissen Gelassenheit. Die haben wir alle inzwischen gelernt – diese Tour wurde mehrmals verschoben: Ich bleibe einfach gelassen und in positiver Hoffnung.

Hilft die Soulmusik, gelassen zu bleiben?

In meinem Fall schon, ja.

Erinnern Sie sich, wann Sie zum ersten Mal bewusst Soul gehört haben?

Als Kind bei meinen Eltern, mein Vater war ein großer Plattensammler. Er hat gerne und viele Soul-, Funk- und Jazz-Platten gekauft und aufgelegt – und auch uns Kindern erlaubt, Platten aufzulegen.

Eine Ausnahme!

Ja! Für meinen Vater war die LP ein Nutzgegenstand, kein Sammlerobjekt. Eine Platte hat man aufgelegt, um Musik herauszukriegen. Deshalb hat er uns Kindern unabhängig von unserem Alter erlaubt, seine Platten aufzulegen. Entsprechend sahen die Alben zwar aus – aber das hat viel dazu beigetragen, mich musikalisch zu prägen. Ich bin sehr früh an die Musik geraten.

I n welchem Alter?

Mit null, würde ich sagen. (Lacht.) Und bewusst vielleicht mit vier Jahren.

Woran erinnern Sie sich?

Wie ich vor dem Regal meines Vaters saß und Platten herausgezogen habe. Da ich noch nicht lesen konnte, habe ich die aufgelegt, deren Cover ich am eindrücklichsten fand. Das war meine Art der Auswahl.

Zur Person

Joy Denalane, 1973 in West-Berlin geboren, wurde Ende der 90er Jahre bekannt, als sie mit der Hip-Hop-Band Freundeskreis sang. Mit Frontmann Max Herre ist sie heute verheiratet. Solo war Denalane gleich mit ihrem Debüt „Mamani“ (2002) erfolgreich. Zugleich sucht die Künstlerin immer wieder auch nach Kooperationspartnern. Ihr aktuelles Album ist eine hinreißende Hommage an die Soulmusik – und eine zeitgenössische Interpretation des Genres.

Die Tour zum Neuen Album beginnt im Januar 2022. Vorab tritt Denalane im Oktober bereits in Hamburg und Berlin auf.

Das Album „Let yourself be loved“ ist bei Universal/Vertigo erschienen.

Welche Alben sahen am besten aus?

Die von Aretha Franklin. Aber mein „All-Time-Kindheits-Lieblings-Cover“ war „Off the Wall“ von Michael Jackson.

Warum?

Weil er aus meiner kindlichen Perspektive Socken mit Glühbirnen anhatte. Das war für mich ein Phänomen, das ich mir nicht erklären konnte: Wie kann ein Mensch Socken mit Lampen anhaben? Wie passen die Glühbirnen in die Schuhe – ohne zu zerspringen? Als Kind hat mich das fasziniert.

Auch schon mal über Leuchtsocken für einen Auftritt nachgedacht?

(Lacht.) Nee, habe ich nicht.

Was bedeutet Ihnen Soulmusik?

Sie ist Teil meiner DNA. In allen Lebenslagen spricht sie am schnellsten zu mir. Es gibt jedoch in allen Genres tolle Musik – ich bin niemand, der Genres von vorneherein ablehnt. Aber mein natürlicher und erster Zugang wird immer der Soul sein.

Wenn Sie eine Platte wie „Let yourself be loved“ machen: Ist es schwierig, sich zu überlegen, woendet die eigene Interpretation – und was ist schon Kopie von etwas Bekanntem?

Ich habe darüber tatsächlich überhaupt nicht nachgedacht, sondern einfach getan, was mir Spaß macht. Und zwar kompromisslos: Ich habe weder gedacht „Das musst du“ noch „Das darfst du nicht“. Meine einzigen Gedanken waren: Was macht mir Spaß? Was fühle ich? Wie möchte ich, dass es klingt? Es gab in meinem Kopf keine Grenzen.

Die scheinen in Ihrer Karriere sowieso keine Rolle zu spielen: Mir kommt es vor, als nutzten Sie den Soul oft als Sprungbrett, um sich durch diverse Genres zu katapultieren...

Nein, nicht als Sprungbrett. Das klingt, als würde ich Soul benutzen, um eigentlich woanders zu landen.

Wie würden Sie es denn ausdrücken?

Ich nehme den Soul immer mit. Kollaborationen ergeben sich, weil andere Künstlerinnen und Künstler meine Musik mögen. Soul – das bin ich. Alles andere muss ich mir draufschaffen.

Ist Ihre Neugierde auf andere Genres ein Erbe des Plattenschranks Ihres Vaters?

Nicht nur. Sie ist das Erbe meiner Erziehung: offen durch die Welt zu gehen. Nicht mit Skepsis auf Dinge zu blicken, weil man sie nicht kennt, sondern stattdessen mit Offenheit und Neugierde. Das ist doch das Spannende an dem Leben, das wir hier führen: mit offenem Herzen und Blick die Welt erkunden zu können. Von ihr zu lernen – aber auch mutig zu sein und zu sagen: Das ist jetzt gar nichts für mich.

Interview: Michael Schleicher

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