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Johnny Depp mit Jeff Beck in Offenbach: Total in seiner Haut

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Von: Marcus Hladek

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Johnny Depp ist mit Jeff Beck unterwegs.
Johnny Depp ist mit Jeff Beck unterwegs. © dpa

Jeff Beck und Johnny Depp auf Europatour in Offenbach

Noch ist das neue, gemeinsame Album „18“ von Jeff Beck und Johnny Depp nicht heraus, da tourt das musikalische Doppel mit weiblicher Besetzung an der Bassgitarre und den Drums oder, in früheren Konzerten, am Cello bereits durch Glasgow, London, Birmingham, Oslo, Offenbach, Prag. Orgelnde Keys rundeten die gitarrenstarke Band und ihren stilistisch vielfältigen, satten und gerne auch harten Sound ab.

Frauen als Bassstimme seines Lebens – eine etwas billige Pointe, aber sie führt zum Punkt. Man könnte drum herumreden, Fakt bleibt: Diese Europa-Tour schwimmt auf Tiramisù-dicken Schichten an Vorgeschichte. Selbst Beck nannte sie Johnnys „weird post-trial tour“: Depps abgedrehte Europa-Ehrenrunde zur Feier und zum Vergessen seines legendären Prozesses, den der ziemlich begnadete bis geniale 59-jährige Schauspieler kürzlich in den USA gegen seine Ex-Frau Amber Heard gewonnen hat. Auch sie ist Schauspielerin.

Falls fliegende BHs als Plebiszit durchgehen, wurde dem Prozessausgang in der Offenbacher Stadthalle in Minute 77 Zustimmung zuteil. Das Der-Depp-ist-back-Feeling des Abends hätte aber auch rein musikalische Gründe haben können. Es mag nicht so bekannt sein, aber bevor der blutjunge Sohn einer Kellnerin aus Kentucky durch Saufkumpan Nicolas Cage 1984 unwillig ins Filmgeschäft rutschte und als Opfer Freddy Kruegers sein Spielfilmdebüt erlebte, war er als Gitarrist gut genug, um auf Einspielungen von „Oasis“, Iggy Pop, Marilyn Manson, Vanessa Paradis (mit der er zwei Kinder hat) und so fort mitzuspielen.

Oft trat er in Vorgruppen großer Bands auf, meisterte die Gitarre in Musikclips für Tom Petty, Avril Lavigne und Paul McCartney und formte 2015 die „Hollywood Vampires“, mit denen er um die Welt tourte. Kurz, er hat’s drauf.

Los ging es in Offenbach mit Instrumentals von Jeff Beck, der es in 78 Jährchen auf Rang 5 der laut „Rolling Stone“ weltbesten Gitarristen schaffte, die sechziger Jahre für ein Unglück hielt und fast den Rolling Stones sowie Pink Floyd beigetreten wäre. Ein Kritiker bescheinigte ihm, nie habe ein solch begabter Musiker, so geschmackvoll wie Clapton, innovativ wie Jimmy Page und fast so visionär wie Hendrix, eine solch wacklige Diskographie gehabt.

Dann, zur Halbzeit des 80 Minuten kurzen Konzerts, Auftritt Johnny Depp: im Hut wie dem eines kanadischen Mounty, die Ärmel hoch, mit Weste. Viele Songs hat er nicht geschrieben, aber „This Is A Song For Miss Hedy Lamarr“ zeigt, dass er es kann – und sich mit historischen Lyrikformen und ihrer Klanglichkeit auskennt. Gleich darauf kam er mit John Lennons „Isolation“, was er und Beck zu Beginn der Pandemie als Metapher der Zeit für sich entdeckten. Depp war gut und souverän, total in seiner Haut.

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