Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jazz im Palmengarten

Jazz-Stipendiat Darius Blair: Der junge Milde

  • VonStefan Michalzik
    schließen

Die Saison von Jazz im Palmengarten schließt mit Darius Blair.

Darius Blair ist ein aufgeklärter Traditionalist. Von seinem Spiel her betrachtet, ist der junge, schon ausgebuffte Tenorsaxofonist eine Art Klassizist zweiten Grades. Als eine seiner frühesten Begegnungen mit dem Jazz nennt er Joshua Redman, einen der Young Lions, also der Klassizisten der achtziger Jahre. Gleich diesen ist Blair ein Neo-Bop-Spieler, in seinem Falle mit Neigung auch zu jener spirituell motivierten Freiheit, die John Coltrane erschlossen hat. Sein Ansatz ist eigenständig, technisch ist er äußerst versiert, die virtuose Attitüde indes meidet er.

Es war das abschließende Konzert in der von der Frankfurter Jazzinitiative beschickten Reihe Jazz im Palmengarten, bei dem der 2002 in Wiesbaden geborene Musiker nun verspätet das Arbeitsstipendium Jazz der Stadt für das Jahr 2020 – im November wird die Vergabe für dieses Jahr folgen – bekommen hat. Mit zum Zeitpunkt der Entscheidung 18 (inzwischen 19) Jahren ist Blair der jüngste Musiker in der dreißigjährigen Geschichte des Stipendiums. Die Summe von 10 000 Euro will er für einen Studienaufenthalt an der Summer School des Berklee College of Music in Boston nutzen. Ab Herbst wird er an der Universität der Künste in Berlin studieren.

Der abgeklärte Kern

Die Jury stellte bei ihm eine „abgeklärte Haltung“ fest und hat damit den Kern seines Spiels wie auch seines Komponierens getroffen. Die Musik seines großartigen Quartetts wirkt wie durchweht von einer frischen Brise, die Neigung zum Avantgardismus ist diesem jungen Milden fremd.

Schon eher mit der (Post-)Avantgarde hält es der famose Gitarrist Niko Huber. Der bewegt sich auf den Spuren der New Yorker Downtown-Avantgarde, wenn er die Wurzeln im Rhythm‘n’Blues aufgreift. Er spielt aber auch viel mit unerwarteten Sounds und lässt seine Gitarre mitunter wie ein Keyboard klingen. Rauheit und Geläufigkeit bringt dieser starke Antipode Darius Blairs prächtig überein. Das enorm präsente Spiel der beiden Rhythmiker Jan Portitude (Bass) und Jan Iser (Schlagzeug) knüpft an die Großtaten von John Patitucci und Brian Blade im Quartett von Wayne Shorter an.

Zupackend groovender Souljazz und Fusion-Jazz bestimmen das Bild. Darius Blair ist auch gut für eine barjazzsamtene Ballade, ohne dass es klebrig süß wird. Das Repertoire machten überwiegend die melodisch und rhythmisch eingängigen Kompositionen Blairs wie auch des ganzen Ensembles aus, dazu einige Nummern verehrter Musiker wie Don Grolnick und Joshua Redman.

Das ist Musik, die auch minder jazzaffine Hörer ansprechen wird. Böszüngig gesprochen, tut sie keinem weh. Aber es gibt keine Gründe für Bosheit, schließlich beleidigt sie auch das Ohr der Kennerin und des Kenners nicht.

Aus der Verlegenheit entstanden, doch triftig: Die Stipendiaten sollten auch künftig vor einem großen Auditorium in der dafür um einen Termin erweiterten Reihe Jazz im Palmengarten präsentiert werden. Aufmerksamkeit beim interessierten Publikum – das ist eine ausgesprochen wirksame Förderung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare