Al Jarreau mit 70 wieder unterwegs

Nein, er kann nicht mehr ganz so elegant über die Bühne tänzeln. Und nein, auch die Stimme ist nicht mehr ganz die aus den 70ern und 80ern. Knapp vier Jahrzehnte auf den ganz großen Bühnen der Welt haben auch beim siebenfachen Grammy-Gewinner Al Jarreau Spuren hinterlassen.

Paris. Nein, er kann nicht mehr ganz so elegant über die Bühne tänzeln. Und nein, auch die Stimme ist nicht mehr ganz die aus den 70ern und 80ern. Knapp vier Jahrzehnte auf den ganz großen Bühnen der Welt haben auch beim siebenfachen Grammy-Gewinner Al Jarreau Spuren hinterlassen.

Die Auftritte des schlaksigen Sängers aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin sind für das Publikum allerdings noch immer ein ganz besonderes Erlebnis. Zum Auftakt seiner Europatournee in Paris stellte der 70-Jährige dies am Donnerstag wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis.

Es ist vor allem die scheinbar grenzenlose Begeisterung für die Musik, die das Publikum in seinen Bann zieht. Noch immer vereint Al Jarreaus Stimme ein rares Einfühlungsvermögen mit einer schwer nachvollziehbaren Virtuosität, Sicherheit und Gewandtheit. Noch immer umweht ihn eine Aura dichtester Intensität und Musikalität, wenn er seine rhythmisch prägnant akzentuierten Stücke anstimmt. "Wer ihn nicht gesehen hat, hat ihn nicht gehört", schrieben Kritiker schon vor mehr als 20 Jahren. "Ein Stimmwunder des Jazz" oder den "weltweit größten Jazzvokalisten" nennen ihn andere.

Al Jarreau schmeicheln solche Komplimente, wer seine Musik allerdings ausschließlich in die Schublade "Jazz" einordnen will, muss zwangsläufig scheitern. Mühelos wechselte der US-amerikanische Ausnahmemusiker auch zum Auftakt seiner neuen Konzertreise wieder zwischen Funk-Rhythmen, Soul und klassischem Jazz. Auf kunstvolle Interpretationen von Klassikern wie "Sweet Potatoe Pie" oder "Better Than Anything" folgten romantisch-ruhige Stücke wie "After All" oder das mitreißende "Roof Garden".

Dabei bot der in schlichtem schwarz gekleidete Al Jarreau am laufenden Stück eindrucksvolle Kostproben seines berühmten Scatgesangs - jener Gesangstechnik, bei der mit sinnleeren Silben kunstvoll eine Melodie improvisiert wird. Zwischendurch verzauberte er das Publikum mit seinem jugendlichen Charme oder gab sich selbst eine Backpfeife, wenn er meinte, er müsse eine seiner minutenlangen Improvisationen beenden.

Verzichten mussten die knapp 2000 Fans im traditionsreichen Pariser L'Olympia nur auf die Mehrheit der eher seichten Popsongs, für die er vonseiten der Kritik oft herbe Verrisse einstecken musste. Auch wenn der Künstler einst sagte: "Auch die Abstecher in den Pop sind Teil meiner Geschichte, ich werde sie nicht irgendwelcher Moden wegen in den Mülleimer werfen!"

Einer der wohl wichtigsten Ausgangspunkte von Al Jarreaus Karriere war kein anderes Land als Deutschland. Im legendären Hamburger "Onkel Pö" trat an seinem 36. Geburtstag - 1976 - ein gänzlich unbekannter Schwarzer auf und sang mythische Geschichten von "Aladdin's Lamp" und salbungsvolle Balladen ("Lock All The Gates"). Es folgten Radio- und Fernsehaufnahmen sowie weitere umjubelte Konzerte. In den kommenden Wochen kehrt Al Jarreau wieder einmal zurück. In Deutschland ist Al Jarreau in den nächsten Wochen unter anderem in Paderborn, Köln, Nürnberg und Hanau zu erleben. Mit dabei sind vier Instrumentalisten, die nicht weniger Begeisterung für die ganz eigene Al-Jarreau-Musik zeigen als der Altmeister selbst.

weitere Tourtermine: Paderborn (5. Juli), Köln (8. Juli), Osnabrück (24. Juli), Braunschweig (25. Juli), Nürnberg (29. Juli), Hanau (3. August) (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion