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Janning Trumann: „Roots & Riots“ – Eine Posaune, zwei Haltungen

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Von: Hans-Jürgen Linke

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Janning Trumann. Foto: Patrick Essex
Janning Trumann. © Patrick Essex

Janning Trumann und sein aktuelles Quartett-Album „Roots & Riots“

Komponieren, sagt Janning Trumann, bedeute für ihn nicht unbedingt die Herstellung von kompletten Notentexten und Klang-Konzepten. Eher eine Arbeit, mit der Improvisationen strukturiert werden. Wichtig sind dabei Fragen wie: Wer spielt? Für wen? Wie sind die räumlichen Umgebungen?

Wenn die Musik auf seiner neuen CD also ausgereift und konzeptuell abgerundet klingt, ist das vielleicht nicht gerade Resultat einer Täuschung, aber es entspricht auch nicht unbedingt den genauen Umständen ihrer Entstehung. Und es zeigt die enorme Bedeutung einer eingespielten Band.

Wie aus einem Guss

Die Musik auf dem Album „Roots & Riots“ strahlt eine große Ruhe aus und wirkt wie aus einem Guss. Man sollte aber nicht vergessen, dass schon im Titel zwei widersprüchliche Grundsätze benannt sind: Einerseits geht es um die Vergewisserung von Traditionen („roots“), andererseits um „riots“, also darum, sich aufzulehnen oder wenigstens abzuwenden. Aber wie bekommt man beides unter einen Hut?

Für Janning Trumann ist das kein großes Problem, er ist schon mit einer gewissen Gespaltenheit aufgewachsen. Wobei diese Gespaltenheit keine ausweglosen Situationen produziert hat, sondern das Bedürfnis nach ständiger Erweiterung des Horizonts. Posaune hat Trumann im Posaunenchor gelernt, in einem Ort in der Lüneburger Heide, wo seine Mutter auch Kirchenorganistin war und die Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb hatte.

Das Album

Janning Trumann 4: Roots & Riots. Tangible Music.

Also auch immer mehr als genug Arbeit. Dass Trumann mit 15 Jahren schon Jungstudent an der Hamburger Musikhochschule und Mitglied der Hochschul-Bigband wurde (und Unterricht bei Nils Landgren hatte), war schon ein erster und prägnanter Vorgang aus dem Riot-Kapitel.

Über viele seiner persönlichen Eigenschaften und musikalischen Einstellungen urteilt Janning Trumann mit gesundem Selbstbewusstsein: So bin ich nun mal, damit lebe ich. Die Posaune ist schließlich ein Instrument, aus dem nichts herauskommt, was der Musiker nicht hinein getan hätte; so mag zuweilen der Eindruck entstehen, das Instrument könne denen, die es spielen, auch etwas über sich selbst beibringen.

Das Album „Roots & Riots“ ist geprägt von einer unbeirrten Ernsthaftigkeit. Im Zentrum steht die sanglich, mit intensiver Beweglichkeit und mit einem klaren, runden und eleganten Ton gespielte Posaune. Die Musik, die Janning Trumann für das Album geschrieben und die sein Quartett aus den Kompositionen gemacht hat – acht Stücke haben es auf das Album geschafft –, verrät eine vierfach geteilte Vorliebe fürs Melodische und für eine eher klassisch als ausufernd experimentell gesinnte Klangkultur.

Gelassen präsent

Trotzdem folgt hier niemand einfach einer implantierten Jazz-Tradition. Die Rhythmik ist auf gelassene Weise präsent, die harmonischen Verläufe sind unkonventionell. Klangbilder und energetische Verausgabungen wirken oft überraschend, aber insgesamt eher gesammelt, konzentriert und introvertiert als expressiv und treibend.

Der Synthesizer wirft Gemälde an die Wand, die den Raum erhellen und erweitern, aber nichts an sich reißen. Bass, Schlagzeug, Klavier bilden auf diesem Album keine selbstgenügsame Rhythmusgruppe, sondern eine aspektreiche musikalische Umgebung.

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