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Jane Birkin 2021 bei einem Fototermin für den Film „Jane By Charlotte“.
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Jane Birkin 2021 bei einem Fototermin für den Film „Jane By Charlotte“.

Jane Birkin zum 75.

Jane Birkin: Lieder, Stürme und Wolken

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Sie war das Sexsymbol der späten 60er Jahre. Als Sängerin und Schauspielerin brachte Jane Birkin, die heute 75 wird, immer auch eine besondere Verletzlichkeit zum Ausdruck.

Das große Geheimnis der britischen Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin, die in Paris zur französischen Ikone wurde, besteht in dem Widerspruch, in all ihrer Verletzlichkeit doch immer auch eine schonungslos öffentliche Person gewesen zu sein. Das hat sehr viel mit dem Lied „Je t’aime“ zu tun, dem Skandalsong ihres Ehemannes Serge Gainsbourg, der der sexuellen Begierde Ende der 60er Jahre eine populäre Tonspur geprägt hatte. Ursprünglich hatte Gainsbourg, das Enfant terrible des französischen Chansons, das Stück für seine damalige Lebensgefährtin Brigitte Bardot geschrieben und 1967 auch mit ihr aufgenommen. Kurz vor der Veröffentlichung aber bekam Bardot Skrupel, die Version mit ihr erschien erst 18 Jahre später.

Im gleichen Jahr, 1967, hatte die 1946 in London geborene Jane Birkin die Rolle eines Fotomodells in Michelangelo Antonionis Film „Blow up“ übernommen, der wie kein anderer Film das flüchtige Lebensgefühl der späten 60er Jahre zwischen Fiktion und Wirklichkeit zum Ausdruck brachte. Durch die beinahe beiläufige Nacktheit in einigen Szenen wurde Birkin zum Sexsymbol jener Jahre, was Serge Gainsbourg, den sie bei Dreharbeiten zu dem Film „Slogan“ kennengelernt hatte, auf die Idee brachte, „Je t’aime (moi non plus)“ noch einmal neu aufzunehmen.

Die eher scheu wirkende Jane Birkin vermochte sich mit ihrer öffentlichen Rolle nie so recht anzufreunden, aber nach dem bahnbrechenden Erfolg des Liedes, der auch darin bestand, dass viele Sender es nicht spielten, konnte sie ihrem einmal geformten Image kaum ausweichen. Zur von der 68er-Bewegung proklamierten sexuellen Revolution hat „Je t’aime (moi non plus)“ vermutlich mehr beigetragen als die vollmundigen politischen Parolen der Zeit.

Von Freizügigkeit, Verführung und Imagination handelte auch Jacques Derays Film „Der Swimmingpool“, in dem Birkin 1969 an der Seite von Romy Schneider und Alain Delon spielte. Danach folgten zahlreiche Auftritte in nahezu allen Genres, 1978 zusammen mit Peter Ustinov, David Niven, Bette Davis und Mia Farrow in der Agatha-Christie-Verfilmung „Der Tod auf dem Nil“.

Die Ehe mit Gainsbourg, aus der ihre Tochter, das künstlerische Multitalent Charlotte Gainsbourg, hervorging, wurde 1980 wieder geschieden, vor allem musikalisch aber arbeiteten Gainsbourg und Birkin weiter zusammen. Gerade auch die von ihr selbst geschriebenen Chansons spielen über eine hingehauchte Zartheit mit Intimität und Wortwitz, die nicht zuletzt einen künstlerischen Reifeprozess spürbar machten. Ihr eben erschienenes Album „Oh! Pardon tu dormais …“ („Oh, entschuldige, du schläfst …“) enthalte Lieder, so Jane Birkin, die absichtlich alte Wunden wieder öffnen.

Jane Birkin ist für ihre Bereitschaft zu frappierender Nähe bekannt, die sie nicht zuletzt immer wieder auch in Interviews preisgibt. Nirgends aber scheint man „der Birkin“ näher zu kommen als in dem Film ihrer Tochter Charlotte „Jane by Charlotte“, in dem Mutter und Tochter über ihr nie ganz einfaches Verhältnis sprechen, der zugleich aber auch eine entwaffnende Liebeserklärung der Tochter an die Mutter ist.

Ein schwerer Schicksalsschlag war 2013 der Suizid ihrer Tochter Kate aus erster Ehe, den sie später ebenfalls in einigen Liedern thematisierte. Aus ihrer Ehe mit dem Filmregisseur Jacques Doillon, in dessen Filmen sie ihre Rolle als bedeutende Schauspielerin festigte, stammt Lou Doillon, die sich als Musikerin elektronischer Popmusik inzwischen ebenfalls als überaus talentierte Birkin-Tochter emanzipiert hat.

Wie die Mutter haben sich auch ihre Töchter nicht auf Genres und Stilrichtungen festlegen lassen. Ihre cineastisch wohl ergiebigste Phase hatte Jane Birkin in den 80er Jahren, als sie neben Filmen ihres Mannes Jacques Doillon auch Rollen in Arbeiten von Jacques Rivette („Die schöne Querulantin“), Agnes Varda und Alain Resnais („Das Leben ist ein Chanson“) übernahm. Durch eine Autoimmunerkrankung ist Jane Birkin seit einigen Jahren gesundheitlich geschwächt, erst vor wenigen Wochen erlitt sie einen leichten Schlaganfall.

Auf die Fragilität ihres aktuellen Albums angesprochen, zitierte Birkin gegenüber der französischen Zeitschrift „Paris Match“ ihren verstorbenen Partner Serge Gainsbourg, der stets der Ansicht gewesen sei, dass es über einen blauen Himmel nichts weiter zu sagen gibt. Für gute Chansons brauche es Stürme und Wolken. An diesem Dienstag wird Jane Birkin 75 Jahre alt.

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