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Jan Lisiecki im Kurhaus Wiesbaden.
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Jan Lisiecki im Kurhaus Wiesbaden.

Rheingau Musik Festival

Jan Lisiecki: Mit pianistischer Pranke

  • VonBernhard Uske
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Jan Lisiecki gibt im Wiesbadener Kurhaus auch den Draufgänger.

Wenn der Zusatztitel des von Ludwig van Beethoven 1795 komponierten „Rondo a capriccio“ – „Die Wuth über den verlorenen Groschen“ – ein ernstzunehmender Hinweis sein sollte, was wäre dann erst von den späteren explorativen und explosiven Klavierwerken der Reifezeit zu sagen. Zerstörung, musikalischer Totschlag, Amok laufende Aggressivität? Denn das Werkchen ist zwischen Galopp und Perpetuum Mobile allenfalls ein hübscher Muntermacher, den der solistische Gast beim Rheingau Musik Festival beherzt und mit Sinn für die überschaubaren harmonischen Abschweifungen in Szene setzte.

26 Jahre alt ist jetzt der Pianist Jan Lisiecki („Intensität und Technik zeugen von einer Reife, die seinen Jahren weit voraus ist“), der eine Art Kompromiss zwischen Jewgeni Kissin und Alfred Brendel zu bieten schien und Gespür für die zarten Extravaganzen des sich erst noch entwickelnden Titanen der Musikgeschichte zeigte.

Der Kauz, der Klassizist

Titanen-Image ist Felix Mendelssohn Bartholdy nie zugewachsen, aber das Werk, mit dem Lisiecki seinen Solo-Auftritt im Wiesbadener Kurhaus beendete, hatte das Zeug zur Verschiebung der Perspektiven zwischen dem widerborstigen Kauz aus Wien und dem moderaten romantischen Klassizisten. Zumal Lisiecki bei den „Variations sérieuses“ op. 54 Virtuosität, die auch die pianistische Pranke zeigte, dem auffahrenden Stück angedeihen ließ.

Mendelssohn mit Mutationspotential zu einem Liszt: schneidend, rasend, blendend. Und das bei einer motivischen Grundierung, die eher bedeckt, herb und choral-steif war. Davor das sechste Heft der „Lieder ohne Worte“ op. 67: Klaviermusik, die man in der Oberstimme gleich mitsingen hätte können. Eine Motivbildung, die dem romantischen Ideal einer nicht-begrifflichen Universalsprache, die jeder versteht, entsprechen mochte.

Leicht, aber mit Nachdruck geboten, wie auch weite Teile der f-Moll-Ballade Frédéric Chopins. Die Verwirbelungen und Zusammenpressungen des Materials im letzten Drittel hatten in Lisiecki einen beherrschten, aber rekordverdächtig schnellen und tosend verklanglichenden Interpreten. Mehr pure Draufgänger- und Rausschmeißerei, die zwar Könnerschaft bewies, aber im Klang-resultat ein flächiges Geröllfeld hinterließ.

Dagegen waren zwei „Nocturnes“ aus Opus 9 formidable Dämpfer. Rechtzeitig im Programm platziert, bremsten sie auch den Applausdrang so sehr, dass der Pianist sein gut einstündiges Programm ohne weitere kollektive Geräusch-Blockaden spielen konnte.

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