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Jan Lisiecki in Wiesbaden.
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Jan Lisiecki in Wiesbaden.

Rheingau Musik Festival

Jan Lisiecki: Die Mitte tut nicht gut

  • VonTim Gorbauch
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Die Camerata Salzburg und Jan Lisiecki im Wiesbadener Kurhaus.

Ein Blick in Mozarts Seele, das war geplant. Ein Blick hinter die Maske der Fröhlichkeit. In die „tiefe, schmerzvolle Sehnsucht seiner langsamen Sätze“, wo man, so sagt es die Pianistin Hélène Grimaud, „den wahren Mozart findet“. Grimaud wollte das d-moll-Konzert KV 466 spielen, das erste Konzert Mozarts in Moll nach 19 Konzerten in Dur. Dazu die abgründige, viel zu selten gespielte, wankende, irrlichternde Fantasie Nr. 3 KV 397, auch in d-moll. Und man hatte eine Vorahnung, was hätte passieren können, denn kaum jemand kann so selbstvergessen in die Töne hinein steigen und sie von innen heraus formen, also quasi ihre Seele berühren, wie die in der Nähe von New York lebende französische Pianistin.

Doch die Pandemie hat die Welt noch stärker im Griff, als es für den kurzen Augenblick vielleicht scheint. Die Reisebestimmungen zwischen Europa und den USA sind weiterhin so restriktiv, dass Grimaud sich entschied, ihre Tournee und damit auch ihren Konzert-Abend beim Rheingau Musik Festival mit der Camerata Salzburg kurzfristig abzusagen.

Für hochkarätigen Ersatz war schnell gesorgt, Jan Lisiecki, der erst 26-jährige kanadische Pianist sprang ein. Doch auch das Programm musste umgestellt werden. Anstatt Mozarts d-moll-Konzert und d-moll-Fantasie gab es nun Beethovens 3. Klavierkonzert in c-moll, danach wie gehabt Mozarts C-Dur-Sinfonie Nr. 36 KV 425.

Der dramaturgische Bogen, der Blick in Mozarts Seele, überhaupt der „Spot on: Mozart“-Leitgedanke, den einige Konzerte beim diesjährigen Rheingau Musik Festival als Überschrift tragen – all das war nun natürlich passé. Und es dauerte auch, bis der neue Solist und die Camerata Salzburg eine gemeinsame Sprache fanden. Die Camerata, 1952 gegründet und von so verschiedenen künstlerischen Leitern wie Sandor Vegh und Roger Norrington geprägt, geht Beethoven aus behüteter Distanz an, formt elegante, aber auch etwas behäbige Bögen, während Lisiecki etwas ganz anderes will und schroff die Kontraste schärft.

Es blieb erstaunlich blass

Irgendwann treffen sich beide in der Mitte, was Beethovens c-moll-Konzert nicht unbedingt gut tut, das schon auch Querständiges, Widerborstiges braucht, um seinen Furor entfachen zu können. Doch auch Mozarts sogenannte Linzer-Sinfonie, Hals über Kopf geschrieben und 1783 in Linz uraufgeführt, bleibt erstaunlich blass. Die Camerata Salzburg, Stammensemble der Salzburger Festspiele, die seit 2016 auch bei Konzerten ohne Dirigenten auskommt, verwaltet Mozart eher als seine innere Dynamik aufzuschlüsseln. Kompakt, bieder und ohne große Überraschungen. Eine Seelenschau müsste doch sehr anders klingen.

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