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Jan Delay

Jan Delay „Earth, Wind & Feiern“: Aufgewachsen im Nightliner

  • Fabian Böker
    VonFabian Böker
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Jan Delays neues Album „Earth, Wind & Feiern“: Tanzbar, und doch politisch.

Ist Jan Delay ein Hellseher? Angesichts des Refrains der ersten Single „Intro“ seines gerade erschienenen Albums könnte man das denken. Da heißt es: „Ja, es sind finstere Zeiten, aber das muss gar nicht sein.“ Doch geschrieben wurden diese Zeilen weit vor Ausbruch der Pandemie.

Für Jan Delay waren die Zeiten eben auch vor Corona schon finster. Denn den Klimawandel oder den Rechtsruck der Gesellschaft gab es auch da bereits. Also hat Jan Delay ein Ziel, wie er es im weiteren Verlauf des „Intro“-Refrains erklärt: „Lass uns die Wolken vertreiben, ich hab’ Sonne dabei.“

Diese Sonne, das ist sein fünftes Soloalbum „Earth, Wind & Feiern“. Die vier Vorgänger hatten sich immer jeweils einem Genre gewidmet, Reggae, Funk, Soul, Rock. Und nun? „Ein Rundumschlag, auf das Jetzt getrimmt“, so der Hamburger. Ein Album, bei dem es „keine Vorgaben“ gab, das „alles, was Spaß macht“, enthält. All die Songs, diese Mischung aus Disco, Trap, Afrobeats, Ska, Stadiontechno, Dub und Latin mit mexikanischen Mariachi-Bläsern, das sei „alles, wo ich musikalisch herkomme“. Und ganz wichtig war ihm vor allem: „Alle Songs sollten im Club laufen können.“

Jan Delay.

Jan Delay: „Nichts ist so kalt wie der heiße Scheiß von gestern“

Das können sie, und dabei beschränkt sich der mittlerweile 45-Jährige textlich nicht auf diesen speziellen Sehnsuchtsort. In „Alexa“ kritisiert er die zunehmende Sorglosigkeit der Menschen in Bezug auf moderne Technik, stellt in „Gestern“ aber auch klar: „Nichts ist so kalt wie der heiße Scheiß von gestern.“ In „Wassermann“ changiert er zwischen der Beschreibung seines eigenen maritimen Lifestyles und Kritik an der Verschmutzung dieser Ressource. In „Saxophon“ schwärmt er von seiner Kindheit in Hamburg-Eppendorf, die trotz aller finanziellen Einschränkungen schön und prägend war. Unter anderem wegen des Saxophons seines Vaters.

Das Album:

Jan Delay: Earth, Wind & Feiern. Universal Music.

Bescheidenheit will er auch seiner siebenjährigen Tochter vermitteln. Wobei: „Die Sorge, dass sie eine verwöhnte Göre wird, muss ich mir gar nicht machen. Ihr ist alles egal, was Klamottenmarken oder so angeht.“ Auch ihr hat er einen Song gewidmet, „Zurück“. Darin setzt er sich mit einem Zwiespalt auseinander: auf der einen Seite „das Vagabundenleben, das ich liebe, ich bin im Nightliner aufgewachsen“, wie er es beschreibt. Auf der anderen Seite die Sehnsucht, nicht mehr „jeden verdammten Tag eine andere Stadt“ zu sehen. „Das erste halbe Corona-Jahr war ich so viel zu Hause, so eng war ich noch nie mit meiner Tochter über einen längeren Zeitraum.“

Zeilen sind ihm zugeflogen

Derart persönliche Texte waren bisher eher selten bei Jan-Delay-Platten. Für ihn sind sie eine logische Entwicklung. Auf seiner ersten Soloplatte habe es kein Liebeslied gegeben, „das hätte ich damals peinlich gefunden“. Auf dem zweiten Album habe er dann „das schönste Liebeslied, das ich kenne, gecovert“; gemeint ist „Für immer und dich“ von Rio Reiser. Und auf Album Nummer drei gab es mit „Ein Leben lang“ ein selbstgeschriebenes Liebeslied. Themen wie die eigene Kindheit oder die Tochter waren trotzdem nicht von vornherein geplant, erklärt Delay, „sondern da sind mir einfach bestimmte Zeilen zugeflogen, die mich dann inspiriert haben“.

Jan DelayDeutscher Hip-Hop-, Reggae-, Soul-, Rock- und Funk-Musiker
Bürgerlicher NameJan Philipp Eißfeldt
Geboren am 20. Februar 1976
Geboren inEppendorf, Hamburg
BandsBeginner, La Boom

Und natürlich ist Jan Delay auch auf diesem Album politisch. Gemeinsam mit seinem Beginner-Kollegen Denyo nimmt er sich in „Spaß“ die „besorgten Bürger“ vor, die in ihrem spaßbefreiten Leben vor einem ziemlich großen Dilemma stünden: „Denn ob Champagner oder Ganja oder Traumstrand, fast alle schönen Dinge kommen aus dem Ausland.“

Der dritte Teil des „Intro“-Refrains trifft es daher ziemlich gut: „Earth, Wind & Feiern, und alles wird gut.“ (Fabian Böker)

Rubriklistenbild: © Thomas Leidig

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