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Jamie Barton, am Flügel: Jake Heggie. Foto: Barbara Aumüller
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Jamie Barton, am Flügel: Jake Heggie.

Liederabend

Jamie Barton und Jake Heggie in der Oper Frankfurt: Sie singt ihr Lied, und alles ist gut

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Jamie Barton und Jake Heggie beim Liederabend in der Oper Frankfurt.

Die Stimme der US-amerikanischen Mezzosopranistin Jamie Barton ist von einer Stabilität und Sicherheit, die fast altmodisch wirkt und einen reizvollen Kontrast zu ihren vielfältigen musikalischen Interessen darstellt. Denn sie beginnt beim Liederabend in der Oper Frankfurt ganz allein mit dem kurzen Stück „Music“ ihres Begleiters Jake Heggie und singt sich über Henry Purcells „Music for a While“ zu Franz Schuberts „An die Musik“ vor. Sie überspringt die Jahrhunderte, macht aus allen drei Liedern drei recht unwiderstehliche Jamie-Barton-Songs, die dreimal die Musik als solche feiern. Bei Jake Heggie ist der glückliche Hörer allerdings ein Mann in einer Todeszelle, der einen Kassettenrekorder und Kopfhörer bekommt und die Nacht mit Musik „im Land der Lebenden“ verbringt, wie es im Text heißt.

Man wird nachher wieder daran denken, wenn im zweiten Teil Jake Heggies Zyklus „What I Miss the Most“ zu erleben ist, auf kurze Texte, die Heggie und Barton bei Bekannten anfragten. Naheliegenderweise geht es darum, was sie in der Pandemie am meisten vermissen, und es ist die inzwischen verstorbene Richterin Ruth Bader Ginsburg, die sich nach der Musik sehnt, die viele Menschen gemeinsam im Einklang machen. Ein kurzer, nüchterner Text, eine Musik, die passenderweise einfach nicht mehr aufhören will und auch wirklich sehr lange nicht mehr aufhört. Jamie Barton hat einen langen Atem und Geduld, und sie kann ihre Stimme in einer imposanten Allmählichkeit zum Verschwinden bringen.

Was sie macht, muss man dazu sagen, ist immer große Oper. Dass Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ nach Richard Wagner klingen kann: ein seltsames Erlebnis, aber man will dabei gewesen sein.

Auf Schubert folgen einige Songs von Florence Price (1887-1953), in denen der zarte Refrain „I sing my song, and all is well“ („The Poet and His Song“) einem länger nachgehen wird. Mächtig, aber an sich nicht grob und auch außerordentlich durchgestaltet sind einige Brahms-Lieder in diesem unterm Strich erstaunlichen Mix. Aber alles für die Musik, alles eine einzige große Verbeugung vor der Musik.

An der Seite von Barton, die vor ein paar Wochen ihren 40. Geburtstag feierte, also der Pianist und Komponist Heggie, dessen erste Oper „Dead Man Walking“ (nach dem auch erfolgreich verfilmten Buch von Helen Prejean) sich seit ein paar Jahren auf den Spielplänen festsetzt. Anfang 2022, so Gott will, wird nicht so weit weg in Koblenz Gelegenheit sein, das Werk zu bestaunen. Barton und er sind schön aufeinander eingespielt, Heggies Liedern gehört die gesamte zweite und damit sehr amerikanische Hälfte.

Denn das sind durchweg effektvolle, keine Musical-nähe scheuende Nummern. Den Pandemie-Eindrücken folgt unter anderem ein Katzen-Schlager, in dem Barton schnurrt und miaut, dass es eine Art hat. Schließlich folgt ein zweiter Heggie-Zyklus, „Iconic Legacies“, der sich auf Museums-Erinnerungsstücke von First Ladies bezieht. Der Librettist und Autor Gene Scheer hat daraus kleine Gedichte gemacht, eine lebhafte Abfolge von Erinnerungen tragischer und neckischer Natur, mit denen Barton verspielt und liebevoll umgeht. Das Kunstlied, es lebt weiter.

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