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James Last hatte erst vor gut sechs Wochen seine offizielle Abschiedstournee beendet. Jetzt starb der Bandleader, Komponist, Arrangeur und Musikproduzent im Alter von 86 Jahren.
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James Last hatte erst vor gut sechs Wochen seine offizielle Abschiedstournee beendet. Jetzt starb der Bandleader, Komponist, Arrangeur und Musikproduzent im Alter von 86 Jahren.

Zum Tod von James Last

Wie James Last unseren Partykeller füllte

„Tschüss, bis zum nächsten Mal!“, rief er seinem treuen Freund noch zu beim letzten Konzert. James Last, der Erfinder des Happy-Sounds, ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Von Christian Bos

Falls letzte Worte wirklich etwas über das Leben des Menschen aussagen, der sie aushaucht, hat es James Last nicht schlecht getroffen. Der Auftritt Ende April in der Kölner Lanxess-Arena war als sein großes Abschiedskonzert annonciert worden. Erst im Herbst des vergangenen Jahres hatte Last seine Tour unterbrechen müssen, war dank einer Notoperation dem Tod entronnen.

In Köln stand er wie eh und je im silbern changierenden Jackett vor dem Orchester, das seinen Namen trägt, wippte mit dem rechten Arm und vernuschelte die Ansagen. Ein Konzert wie jedes andere, kein Wort von Abschied. Stattdessen ein letzter, flapsiger Gruß ans treue Publikum: „Tschüss, bis zum nächsten Mal!“

Würdige letzte Worte. Am Dienstag ist der Bandleader im Alter von 86 Jahren in seiner Wahlheimat Florida gestorben. Im Kreis seiner Familie, nach kurzer, schwerer Krankheit, wie seine Konzertagentur mitteilte. Doch, er sah schon arg angegriffen aus in Köln, war abgemagert, zeigte sich tüttelig, wie man früher sagte. Der Name des jeweils nächstens Titels wollte ihm partout nicht einfallen.

Aufhören konnte er nicht, natürlich nicht

Doch wie sollte der Mann aufhören, der das Prinzip des Immer-weiter-Machens verkörperte? Dessen erstes Erfolgsalbum „Non Stop Dancing“ aus dem Jahr 1965 hielt, was es versprach. Über den einzelnen Titel verkündete die Rückseite des Covers den jeweils passenden Tanzstil: „Rock Fox“, „Slow Beat“, „Shake Twist“, für eine Party, die nie enden sollte. Das waren die Spotify-Playlisten der noch jungen Bundesrepublik. Wie sollte einer aufhören, der obendrein ein gerüttelt Maß an Hedonismus für die Deutschen verkörperte, die noch vor dem Krieg geboren worden waren, jedoch bereits zu alt für die Beatles waren.

Die Enkel sollten den ewigen Tanz auf die Straße tragen, zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. Sie selbst steckten noch im Partykeller fest. Doch der füllte sich nun mit strahlenden Bläserfanfaren, mit wattigen Streichern im satten Unisono, holte ungelenke Feierwillige mit einer Polka ab und schubste sie sanft Richtung Swing. Sogar die passenden Party-Geräusche hatte James Last als Spaß-Anleitung in die Rillen pressen lassen, Gläserklirren, ein Gemurmel, dass sich mit den ersten Takten zum angetrunkenen Mitsingen erhob. So wurde aus einer Lost Generation die Last-Generation.

Der Erfinder dieses „Happy-Sounds“ wurde indes kaum gefeiert. „Akustischer Milchbrei“, ätzte etwa der einflussreiche Jazz-Kritiker Michael Naura. Der WDR-Intendant Friedrich Nowottny prägte später das Bonmot vom „Karajan des kleinen Mannes“.

Dabei war Last selbst 15 Jahre zuvor, als er noch Hans hieß, zum besten deutschen Jazz-Bassisten gewählt worden. Fünf Jahre später spielte er im NWDR-Tanzorchester, schrieb auch Arrangements für die Stars der damaligen Zeit, für Freddy Quinn und Caterina Valente. Das hätte immer so weiter gehen können, bis zur Pensionierung, der NWDR bot ihm eine Anstellung auf Lebenszeit an.

Doch das widerstrebte dem rastlosen Temperament des Glückssuchers Last. Er kündigte und schlug stattdessen seiner Plattenfirma, der auf leichte Unterhaltung spezialisierten Polydor, das Non-Stop-Dancing-Konzept vor. Wer James Last später darauf ansprach, dem erzählte er, dass er schon sein erstes selbstverfasstes Stück „Happy Music“ getauft hatte. In Erinnerung an seinen Vater, der tagsüber als Gasableser für die Bremer Stadtwerke gearbeitet hatte, nachts aber als Musiker durch die Kaschemmen der Stadt zog.

Der Sohn hatte das große Glück, 17 Tage zu spät geboren zu sein, um noch zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Draußen tobte der Krieg, Hans Last aber spielte Marschmusik – und abends dann heimlich Jazz in kleinen Combos mit geneigten Kommilitonen. Wenn ein Lehrer sie dabei erwischte, erfanden sie einfach treudeutsche Titel für die amerikanischen Standards.

Eine Strategie, die Last als Orchesterleiter bis zuletzt beibehielt und seinem mitgealtertem Publikum Hits aus den Jugendwellen unterzujubeln. Stücke von One Direction, Kesha oder Katy Perry kombinierte er dann einfach mit „Rosamunde“ oder dem „Gartenzwerg-Marsch“ – und schon rutschte das durch und alle waren glücklich. Oder, in Lasts eigener Jobbeschreibung: „Du schreibst irgendwelche Noten auf, dann siehst du, wie die Band das anmacht, dann guckst du von der Bühne den Leuten ins strahlende Gesicht. Das ist doch der Hammer!“

Mit dieser klanggewordenen Sorglosigkeit verkaufte Last mehr als 80 Millionen Tonträger, schnippte sich durch „Star-Parade“ und „Show-Express“ (und behauptete später steif und fest, dass er gar nicht mit den Fingern schnippen könne), ließ sich auch in Japan und Australien als beschwingter Deutscher feiern, und verkaufte 87 Mal die Royal Albert Hall aus.

Vieles von seiner für den schönen Augenblick produzierten und oft belächelten Musik aber entwickelte ein erstaunliches Nachleben. Quentin Tarantino deutete den panflötenden „Einsamen Hirten“ zur elegischen Rächermelodie für „Kill Bill“ um, als glattpolierter Morricone-Ersatz. HipHop-Mogul P. Diddy sampelte von Lasts amerikanischem Album „Well Kept Secret“, einem seltenen kommerziellen Misserfolg, aber Lasts erklärte Lieblingsplatte.

Da findet man so einige im gewaltigen Oeuvre, die „Hair“-Bearbeitungen aus dem Jahr 1969 oder die „Voodoo-Party“ von 1971. Im Partykeller finden sich so einige ausgesuchte Seltsamkeiten und Schönheiten, Inseln des Glücks im Meer des Frohsinns.

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