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James Brandon Lewis.
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James Brandon Lewis.

Jazz-Album

James Brandon Lewis Quartet: „Code Of Being“ – In der Umlaufbahn

  • VonHans-Jürgen Linke
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„Code Of Being“: Das James Brandon Lewis Quartet denkt über Jazz nach.

Am Anfang war die Melodie, und die Melodie folgte einem Rhythmus. Also könnte auch genauso gut der Rhythmus am Anfang gewesen sein? Oder vielleicht der Klang, ohne den Rhythmus wie Melodie inexistent wären?

Es sind durchaus grundlegende Parameter, mit denen das Quartett des charismatischen Tenorsaxofonisten James Brandon Lewis beschäftigt ist. Was erklingt, ist transparent und luzide, aber nie eindeutig. „Resonance“ zum Beispiel, das Eröffnungsstück, beginnt mit hingetupften Bass- und Klaviertönen sowie leisen Schlagzeugwischern, so dass jeder Jazzhörer sofort weiß, dass hier der Boden bereitet wird für das Melodieinstrument, das natürlich ein Tenorsaxofon ist. Es tritt auf mit einer feinen kleinen Melodie, und während man noch diesem ersten Eindruck nachhorcht, hat der Saxofonist schon andere Ufer angesteuert. Bass und Schlagwerk wandeln sich zu einer subtil agierenden sound-and-rhythm-section, das Klavier übernimmt eine treibende und tonal erweiternde Rolle, und das Saxofon entschwindet mit seiner energiereichen Variationsarbeit, die sich von der liebenswerten Melodie längst gelöst hat, in einer fernen Umlaufbahn.

Das geschieht schnell und wie von selbst, alles bleibt nah beisammen und bewegt sich in einem klanglichen Horizont, den man umstandslos dem zeitgenössischen Jazz zurechnet.

Das Album

James Brandon Lewis Quartet: Code Of Being. Intakt (Harmonia Mundi).

Ein Gestalter und Umgestalter

James Brandon Lewis ist kein stürmischer junger Technik-Löwe und Lungenvolumen-Heros. Er verfügt über alles, was im Jazz die Geschichte des Tenorsaxofons hergibt, aber er ist ein Denker und Zusammensetzer. Also ein Komponist. In beiderlei Hinsicht, als Instrumentalist und als Komponist, ist er ein grandioser und ideenreicher Gestalter und Umgestalter. Kein Revoluzzer, der alles anders machen will, sondern ein Musiker, der feinsinnig am Detail arbeitet und immer das Ganze im Auge hat, das zu einem sehr eigenen musikalischen Mikrokosmos zusammenwächst.

Dessen zentrale Eigenschaft benennt der Titel des dritten Stückes: „Every Atom Glows“. Jeder Ton hat eine erhöhte Temperatur. Obwohl die afroamerikanische Tradition in dieser Band lebendig ist, erklingt kein Ton, der der Geschichte und der aus ihr erwachsenden Routine verpflichtet wäre. Jede Wendung, jeder Klang , jegliche Variation und Serienbildung, jede Phrasierung, jedes vertikale und horizontale Ereignis klingen durchdacht und in eine eigene Ordnung eingefügt. Alles Material liegt wie auf der Goldwaage. Selbst vertraute dramaturgische Verläufe haben nichts Selbstverständliches und entfalten überraschende Momente.

Lewis und sein Quartett spielen Jazz von intensiver, dabei dezenter Innovationskraft. Sie kommen ohne traditionelle Formen und durchgehende Rhythmik aus, aber so ist er nun mal geformt, der „Code Of Being“, der dem Album den Titel gibt: in tiefgreifender Ambivalenz, die alles für ihre Aufrechterhaltung tut. Die leuchtende melodische Kristalle aufweist wie auch freie Spielphasen, in denen Energie die Regie übernommen hat. Gegensätze werden nicht ausbalanciert, sondern realisiert und ernst genommen.

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