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James Blake in Frankfurt: Und immer wieder stirbt die Liebe

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Von: Stefan Michalzik

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Der große Klagesänger James Blake im Frankfurter Gibson.

James Blake war einer der stilbildenden Musiker der zehner Jahre. Mit seiner fugenfreien Symbiose von „natürlichem“ und elektronischem Instrumentarium sowie seinem Umgang mit der auf das vielfältigste elektronisch bearbeiteten und aufgespaltenen, sich zumeist in engelsgleicher Falsettlage bewegenden Stimme hatte der Londoner seit seinem Debütalbum 2011 enormen Einfluss auf die musikalischen Entwicklungen des Jahrzehnts.

Sein jüngstes, fünftes Album, „Friends That Break Your Heart“ (2021), ist nicht sein stärkstes. In dem Song „Say What You Will“ reflektiert er sarkastisch die Situation, dass die Orte für seine Auftritte zuletzt geschrumpft sind – was den Vorteil habe, dass er nun wenigstens in die Gesichter des Publikums sehen könne. So jetzt im ausverkauften Frankfurter Gibson. Ist James Blakes Zeit womöglich vorbei? Geht auch er künftig auf die Never-Ending-Oldie-mit-bestenfalls-gepflegten-Novitäten-Tour?

Das Frankfurter Konzert war jedenfalls hinreißend. Und das obwohl es, wie Blake erklärte, wegen einer Erkrankung auf der Kippe stand. Er bat um Entschuldigung dafür, dass es mit den Höhen seiner Stimme – das war deutlich zu spüren – diesmal nicht zum Besten stehe. James Blake, selbst an den Synthesizern, trat mit einem großartigen Trio um Rob McAndrews an Gitarre und Modularsynthesizer und Ben Assiter am teilelektronischen Schlagzeug auf.

Blake ist ein großer Klagesänger, sein zentrales Motiv die unerfüllte Liebe. Zumindest seine Bühnenfigur verkörpert eine antimachistische, verletzliche Männlichkeit. Zwischen Zartheit und Wucht, Songwritertum und Rave: Das Klangspektrum reichte an diesem Abend vom E-Pianolied bis zum instrumentalen Track, der an Blakes Ursprünge als Dubstep-Produzent erinnert.

Blake führt auch Coverversionen im Repertoire, er ist nicht zuletzt in dieser Disziplin ein Meister. Erstmals international Aufsehen erregt hatte er mit seiner Anverwandlung des Songs „Limit To Your Love“ (2011). Besonders grandios nun auch „A Case of You“, entschieden als ein Song von Joni Mitchell zu erkennen und doch wie zu einem eigenem gemacht.

„I Want You To Know“, eine von drei Novitäten, die sich eventuell auf dem nächsten Album wiederfinden könnten, verhaute Blake, wie selbst eingestand, im Gesang schauderhaft. Einer der Nummern heißt: ,,The Death of Love“ – sozusagen ganz Blakes bekannte Linie. Doch was in den neuen Songs zu hören war, klang gerade ob der Soundtexturen zwischen Housebeats und Gebratze verheißungsvoll. Es blieb in Frankfurt das Gefühl, von diesem Mann noch einiges erwarten zu dürfen. Mal sehen.

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