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Interkontinentalmusik

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Von: Hans-Jürgen Linke

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Gerd Putscheffs sorgfältige Synthesen aus Jazz und Flamenco.

Gerd Putscheff heißt eigentlich Gerhard Putschögl, aber nachdem er ziemlich häufig seinen Namen buchstabiert und ihn dann doch wieder falsch geschrieben gelesen hatte und weil ihn Mitmusiker oft einfach als „Putscheff“ angeredet hatten, akzeptierte er das als Künstlernamen. An der Frankfurter Musikhochschule wird er seit 1993 unter seinem Klarnamen als Dozent geführt.

Putschögl hat klassische Violine studiert und ist einer der raren deutschen Jazz-Geiger ohne feste idiomatische Bindung. Er hat in zahlreichen Formationen des zeitgenössischen Jazz mitgearbeitet und jetzt unter eigenem (Künstler-)Namen, ein Album veröffentlicht, das den Jazz, der seine weiträumige musikalische Heimat ist, mit Flamenco verbindet, für den fast das Gleiche gilt. „Flamenco Jazz“ nennt er diese Gattung.

Flamenco und Jazz haben manches gemeinsam – die musikalische Bühnenpraxis der Improvisation; die Virtuosität, mit der profilierte Musiker in beiden Sparten aufzuwarten in der Lage sind; schließlich auch historische Dimensionen, die weit zurückreichen und regional vielfältig sind: Jazz entstand aus einem Zusammenwachsen afrikanischer und europäischer Musikstile in Amerika, Flamenco aus arabischen Wurzeln in Andalusien.

Das Album:

Gerd Putscheff: Los Vientos! Duende Now. Flamenco Jazz. Bayla Records / Galileo.

Eine echte Fusion

Flamenco-Jazz aber ist ein aktuelles Konzept, und so, wie Put-scheff und seine Mitmusiker und Mitmusikerinnen diese Musik auffassen, ist eine echte Fusion entstanden. Was man am deutlichsten hört in der Flamenco-Version von Dizzy Gillespies Bebop-Klassiker „A Night in Tunisia“, denn hier wird nicht Flamenco im idiomatischen Geist des Jazz arrangiert und gespielt, sondern eben umgekehrt.

Fusion bedeutet im Falle dieses Albums, dass nicht wohlfeile Anleihen bei Instrumentalfarben oder typischen Skalen gemacht werden, sondern dass beide Quellen hörbar bleiben und eine sorgfältige, klanglich genau gearbeitete Zusammenarbeit stattfindet. Diese anspruchsvolle Forderung ist in Putscheffs Kompositionen und Arrangements mit Hingabe eingelöst.

Ein weiterer Musiker, der die Musik des Albums prägt und ihren weiten Horizont markiert, ist der Perkussionist Willi Kappich, bekannt aus Weltmusik- und Jazz-Formationen und nicht zuletzt dem Frankfurter Kurorchester. Kappich produziert Klangfarben, die kurz gegriffene idiomatische Zurechnungen mindestens in so weite Fernen rücken wie Putscheffs virtuoses, klangschönes und raffiniert-elegantes Geigenspiel.

An der Einspielung ist eine lange Reihe von Musikerinnen und Musikern in unterschiedlichen Zusammensetzungen beteiligt. Die Besetzungsliste unterscheidet zwischen „Trio“, „Quintett“ und „Orchester“ – wobei das Trio aus Putscheff, Kappich und dem (Flamenco-)Gitarristen Frank Ihle besteht. Beim Quintett kommen Lewis Porter, Klavier, und Ralf Cetto, Bass, dazu. Das „Orchester“ besteht aus bis zu 15 Musikerinnen und Musikern von der Musikhochschule, die sich auch unter dem Ensemble-Namen „Intracult“ versammeln. Aber am Ende ist doch Gerd Putschögl derjenige, der das alles zusammengedacht und zusammengebracht hat.

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