Martin Stadtfeld Alte Oper Frankfurt

Intensität versus Titanismus

Ein Konzert zu Ehren von Lev Natochenny in der Alten Oper Frankfurt: Sein berühmt gewordener Schüler Martin Stadtfeld spielt Schumann, das Hallé Orchestra Manchester schlüpft in die Rolle des anschmiegsamen Duettpartners.

Von Bernhard Uske

Sie ist eine der großen Kaderschmieden zeitgenössischer Pianisten-Elite: die Meisterklasse des Frankfurter Dozenten Lev Natochenny. 65 Jahre ist der seit 1994 an der Frankfurter Musikhochschule lehrende Klavier-Professor gerade geworden.

Seit Jahren sind die Leistungsschauen seiner Schüler, die regelmäßig im Mozart Saal und in der Hochschule stattfinden, kein Geheimtipp mehr, sondern vielbesuchte Konzertereignisse, die zuletzt die Meisterschaft der allerjüngsten Natochenny-Schüler wie Clemens Berg, Stephanie Proot oder Nuron Mukumi unter Beweis stellten.

Ein trotz seiner Jugendlichkeit doch schon alter Hase des Frankfurter Star-Geheges ist Martin Stadtfeld, der jetzt bei Pro Arte zusammen mit dem Hallé Orchestra Manchester gastierte – in einem Konzert „Zum 65. Geburtstag von Lev Natochenny“, wie es in der Programm-Dedikation zu diesem Abend im Großen Saal der Alten Oper hieß.

Stadtfeld war mit der erste Natochenny-Eleve, der sich am internationalen Pianisten-Markt ganz oben etablieren konnte: ein zart, ja scheu wirkender, aber durchaus eigensinniger Künstler, der jetzt das a-Moll-Konzert Robert Schumanns spielte. Das Stück einer anti-virtuosen Intensivierung des Ausdrucks, wie es Schumann in Absetzung zum Titanismus Beethovens vorschwebte hatte in Stadtfeld einen wahren Befürworter, der das Zurückgenommene und Abschweifende der Schumann-Diktion manchmal fast bis zur Verleugnung pianistischer Präsenz intensivierte. Dann aber auch wieder konsequent in repetitiver, stretta-artiger Geste exponierte; mit einem eng angeschmiegten Orchester-Tutti, das nicht bloße Stütze sondern duettierende Korrespondenz war.

Sensible Phrasierungskunst

157 Jahre alt ist das von Sir Charles Hallé gegründete Orchester, das so berühmte Dirigenten wie Hans Richter, Hamilton Harty oder John Barbirolli hatte. Seit 15 Jahren ist Mark Elder Chefdirigent, ein sehr artikulierter, mit allen Wassern sowohl virtuoser Effektivität als auch sensibler Phrasierungskunst vertrauter Dirigent.

Mit Giuseppe Verdis Ouvertüre zu „Die Macht des Schicksals“ zeigte er gleich, wie auch bei einem so populären Gebilde gestische Kraft und strukturelle Vielfalt zusammenpassen können. Kein trockener oder bloß schwimmender Klang auch bei dem wagnerianisch anmutenden Orchester-Tableau „A Shropshire Lad“, das George Butterworth 1912 komponierte.

Edward Elgars „Enigma“-Variationen von 1899 wurden als Kabinett leicht bizarrer und unterhaltsamer Diesseitigkeit bestens getroffen: echt britisch.

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