Sauer und Wollny in der Romanfabrik

Instinkt und Flug der Gedanken

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Sein mattes altes Tenorsaxofon und seine kompromisslose Art zu musizieren hat Heinz Sauer aus den Katakomben des Jazz mitgebracht in den lichten Konzertraum der Frankfurter Romanfabrik. Von Gerd Döring

Sein mattes altes Tenorsaxofon und seine kompromisslose Art zu musizieren hat Heinz Sauer aus den Katakomben des Jazz mitgebracht in den lichten Konzertraum der Frankfurter Romanfabrik. Sorgsam und mit der ihm eigenen Chuzpe nimmt er so manches bekannte Jazzthema genüsslich auseinander und reicht, was überbleibt, weiter an den Pianisten Michael Wollny.

Mit dem, was heute gerne als Jazz vermarktet wird, hat die Musik der beiden nicht allzu viel gemein. Hier wird nichts repetiert oder verklärt, nichts fesch aufpoliert und ausformuliert. Ein paar Noten, ein Thema und Sauer und Wollny agieren in freier Interaktion. Das muss nicht immer gelingen, sorgt aber in den besten Momenten für offene Münder und dafür, dass der Abend nie in Gefahr gerät, langweilig zu werden.

"Wir schon wieder...", sagt Sauer zu Beginn. Es ist inzwischen Usus, dass die beiden das Jahr in der Romanfabrik eröffnen, aber wenn sie schon zur lieben Gewohnheit werden, dann wollen sie zumindest eines: "anders klingen als gewohnt". Kein leichtes Unterfangen, denn natürlich kann Sauer nicht aus seiner Haut, und Wollny bleibt Wollny, selbst wenn er nur drei nachlässige Noten spielt auf den Tasten. Unverkennbar klingen die beiden, ob sie nun über Themen aus der Feder von Miles Davis improvisieren oder über einen samtenen Blues. Oft greifen sie zurück auf Jazz-Standards und spielen nur wenige ihrer meist kurzen Eigenkompositionen. Auch aus aktuellem Anlass, haben sie doch ihr neues Album ganz dem großen Vorbild Miles Davis gewidmet.

"If (Blue) Then (Blue)" wurde im August in den Bauer Studios in Ludwigsburg - auch das ein Hort der Tradition - eingespielt, und erstmals überhaupt ist Sauer hier auch im Duo mit Joachim Kühn zu hören.

Im Konzert ist Wollny dem souverän agierenden Sauer ein agiler, hellwacher Begleiter. Wie von selbst fügt sich sein vitales Klavierspiel ein in die rauen Tonfolgen des Saxofons. Aber Wollny nimmt sich auch gerne zurück. Findet zuweilen noch die Zeit, im Klavierinnern zu experimentieren oder er nutzt eine Atempause des Bläsers für ein nachdenkliches Solo. Sauer schaut dann zu, schaukelt sein Horn im Arm und lauscht aufmerksam den Gedankenflügen des jungen Kollegen.

Über 40 Jahre trennen den Instinktmusiker Heinz Sauer und den jungen Diplomjazzer. In Würzburg hat Michael Wollny die Hochschule für Musik besucht, der sich aufs Trefflichste ergänzt mit dem kantigen Tenorsaxofonisten aus dem Taunusstädtchen Königstein. Auch so blüht der Jazz - weitab von den Metropolen.

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