Oper Willy-Brandt-Platz Frankfurt

Aus innerster Bewegung

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Zum Abschluss der Liederabend-Saison in der Oper Frankfurt.

Sechzehn Lieder erklangen im letzten Konzert der Liederabende-Saison der Oper Frankfurt – aus der Feder von sechzehn Komponisten. Alle mit dem einen Thema beschäftigt: Was die Liebe ist, woher sie kommt, wie sie verschwindet, und was sie macht mit dem, der sie hat, und dem, der sie hatte. „Foreign affairs“ hat der Sänger des Abends, Michael Spyres dieses Thema genannt. Eine gut Bezeichnung, denn das innerst Bewegende ist letztlich eine äußere Angelegenheit und dabei eine des Fremden und Befremdlichen. Das hatte in den vokalen Debattenbeiträgen der konzertanten Tages- bzw. Abendordnung seine mal harmlos bekennenden, mal heißblütig herausfordernden, wehmütig resignierenden oder ironisch gestimmten Vertreter. Unter denen, als für das Thema geläufigen, eigentlich nur Schumann und Brahms fehlten. Schon Strauss, Mahler, Wagner, Wolf sind ja eigentlich Programm-Exoten.

Es gab dennoch einige beachtliche Trouvaillen, unter denen der Name Stefano Donaudy der unbekannteste war. Der Zeitgenosse Reynaldo Hahns und wie dieser bekennend restaurativ und retrospektiv eingestellt, nannte seine 1918 erschienene Liedersammlung „36 Arie di stile antico“: beides heute hochgeachtete Künstler. Bemerkenswert auch der Vortrag einer Komposition Friedrich Nietzsches auf einen Text von Lou Andreas-Salomé. Und das nicht nur, weil hier das ästhetische Amt für Auswärtige Angelegenheiten sich gleich der gesamten Existenz mit „Glück und Harme“ sowie „vernichten und entreißen“ annimmt und damit eigentlich in den Verantwortungsbereich der Verteidigung übergeht. Sondern auch deshalb, weil in Sachen musici Nietzsche kein Umwerter aller Werte ist, was der brave choraliter-Duktus dieses „Gebets an das Leben“ demonstrierte.

Spyres, wunderbar differenziert und pointiert begleitet von Mathieu Pordoy, konnte seine belcanto-affine Stimme in homogener, eher groß dimensionierter Dynamik zur Geltung bringen. In langsamem Zeitmaß, was der Sicherheit und Sattelfestigkeit der Stimmführung des latent heiseren Sängers dienlich war. Brillant der Rossini-Beitrag, dem der aus Missouri stammende 39-jährige Sänger alles gab.

Herrlich glänzte das obertonreich schwingende vokale Material bei Britten, Liszt, Bellini. Die manchmal aufkommende Neigung zur vokalen Durchbuchstabiererei erbrachte für die Loewe-Ballade „Tom der Reimer“ schönste parodistische Effekte.

Zwei Zugaben – der Folksong „Oh Shenendoah“ und das einst von Caruso gesungene „Souvenir d’ un concert“ – machten aus den 16 Liedern ein 18er-Bukett, das einen glänzenden Abschluss dieser schönen Liederabende-Saison darstellte.

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