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Indigo De Souza.
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Indigo De Souza.

„Any Shape You Take“

Indigo De Souza: „Any Shape You Take“ – Keine Monster unterm Bett

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Überschäumend: Indigo De Souza schlägt mit ihrem Album „Any Shape You Take“ eine Bresche für den Indie-Rock.

Wer als junger Mensch in Asheville lebt, muss mit merkwürdigen Stimmungen zurechtkommen. Hier, inmitten der Blue Ridge Mountains und an den Gestaden des Swannanoa River, wesen immerhin die Geister von Thomas Wolfe, Robert Moog, Daliah Lavi. Haben sie Einfluss auf den Werdegang von Indigo De Souza genommen? Eine 25-jährige Musikerin, die sich ohne Scheu als Heulsuse bezeichnet und viel, viel Liebe schenken möchte?

Nach ihrem vor drei Jahren erschienenen Debüt „I Love My Mom“ präsentiert die Sängerin nun unter dem Titel „Any Shape You Take“ neues Material, selbst komponiert und in Szene gesetzt. Tatsächlich widmet sich jedes der zehn Stücke dem mannigfaltigen Dämon Liebe, all dem Weh und Hui und Ach. Nur zwei dieser Songs sind in ihrer synthetischen Diskopop-Verworfenheit schwer zu ertragen.

Ein böser Traum

Vor dem Rest aber dürfen wir den Sombrero ziehen und mit den Sporen übern Dielenboden ratteln. Die eingeschworene Souza-Truppe – Freunde seit holden Schultagen – hantiert in frischem Elan mit einem klassischen Rock’n‘Roll-Instrumentarium, hat das prall gefüllte Indie-Songbook stets in Griffweite. Was mancherorts unter „Slacker Rock“ einsortiert wird, offenbart sich als Stiefkind einer durch die US-90er gedengelten Elternschaft.

Auf dem Fundament gitarrenbetonter Begeisterung entfaltet sich eine Palette an Spielarten, Aneignungen. Eleganz im Sinne von „Die / Cry“ darf umstandslos in einem grubenschweren „Bad Dream“ versinken – um im Ohrwurm-Refrain der „Pretty Pictures“ romantikschwarz heimzuleuchten.

Obwohl sie in all ihrer Entrücktheit wie eben zur Erde gestürzte Engelein vor uns stehen, sind Indigo De Souza und ihre Jungs mit jedem Stilmittel der Alternative Nation vertraut: Kein Laut ohne Leise, kein Schmiss ohne Schmus. Das in eine hinreißende Schlussminute mündende „Way Out“ – „There’s nothing in the dark / there are no monsters underneath your bed“ – ist wahrlich ein Hit.

Das ALbum

Indigo De Souza: Any Shape You Take. Saddle Creek Records / Rough Trade.

Nicht selten beginnt die Reise mit einer dieser einfach-geschrubbten Saitenfiguren, mit seltsamen Zeilen vom Schlage „You were darker than death“ oder „Late night crawler / harsh high baller“. Und während die Musikmaschinerie aus der Deckung kommt und energisch an Höhe gewinnt, bleibt die Gesangsstimme faszinierende Konstante. De Souza – auch beteiligt bei Icky Bricketts, einem Soul-Duo-Ding – variiert sich staunenswert durch den selbstgesteckten Irrgarten.

Immer emotional im Trillern und Kieksen, im Schwirren und Schwadronieren, einzelne Passagen betonend, dehnend, deutend. In ihrem fiebrig-überschäumenden Ausdruckswillen steht die Tochter eines brasilianischen Bossa-Nova-Musikanten in enger Verwandtschaft zu der Weakened- Friends-Chefin Sonia Sturino, die gleichfalls exaltiert über Riff-Küsten segelt.

Muss betont werden, dass die Frau aus Asheville ihrer malenden Mutter Kimberly Oberhammer alles zu verdanken hat? Ein Blick auf das Umschlag-Motiv genügt: Nacktheit, Totenschädel, Konsumapokalypse. Natürlich in Knallbunt. – Für heute mag es gut sein. Die Wege des Rock‘n’Roll jedoch sind unergründlich. Kaum vorstellbar, dass Indigo De Souza irgendwann die nächste Courtney Love sein wird. Deren „Boys On the Radio“ könnte sie aber durchaus ins eigene Repertoire überführen. Bedenkenlos.

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