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Jürgen Wuchner (1948-2020). Foto: privat, Repro: Andreas Arnold
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Jürgen Wuchner (1948-2020).

Jazz

„In memoriam Jürgen Wuchner“ in der Romanfabrik: Wo soll sie liegen, die Genregrenze?

  • VonStefan Michalzik
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Ein Konzert in der Romanfabrik erinnert an den Bassisten Jürgen Wuchner.

Der Bassist Jürgen Wuchner war eine ungemein wirkungsreiche Figur im hiesigen Jazz mit zahlreichen Meriten in der Lehre unter anderem als Dozent an der Darmstädter Akademie für Tonkunst. Vor allem aber war der vor gut einem Jahr verstorbene Musiker ein gefragter Instrumentalist, mit biografischen Stationen etwa in Ensembles von Heinz Sauer, Hans Koller und Herbert Joos. Er war Mitglied des Vienna Art Orchestras und der Family of Percussion – und ein hervorragender Komponist. Ungefähr 120 Stücke hat er hinterlassen.

Mit Publikum, endlich

Facettenreich präsentierte sich der Abend „In memoriam Jürgen Wuchner“ mit einem Quintett von musikalischen Gefährten in der Frankfurter Romanfabrik, ausgerichtet von der Jazz-Initiative – es handelte sich um deren erstes Konzert vor Publikum seit neun Monaten.

Charles Mingus war der wohl wichtigste unter Wuchners Leitsternen, seine Stücke knüpfen in bester Balance zwischen Freiheit und Festlegung an die Offenheit im Free Jazz in den sechziger Jahren an. Quer durch die Schaffensperioden die Auswahl an diesem Abend. Etliche der Nummern, die das Quintett – Uli Partheil, Klavier; Wollie Kaiser, Baritonsaxophon, Bassklarinette und Bassflöte; Daniel Schmitz, Trompete; Dieter Manderscheid am Bass und dem Schlagzeuger Bülent Ates – in der ersten Hälfte spielte, sind im Klangbild tieftönig weit über den Bass hinaus. Das Kammermusikalische, die Ausgespartheit lässt eine Prägung durch Jazzmodernisten der fünfziger Jahre wie Lennie Tristano oder Jimmy Giuffre erkennen. Anklänge an Trauermärsche verweisen auf die Wurzeln des Jazz in New Orleans.

Eher beschwingt bis ausgelassen hingegen das Gros der Nummern nach der Pause. Um Stil- und Genregrenzen scherte Jürgen Wuchner sich nicht. Ates spielte in einem Stück aus der „Dakar Suite“ ein Solo auf dem Balafon, einem in Westafrika verbreiteten Xylofon – mit ausgeprägt strukturellem Bewusstsein bezog Wuchner, der einige Jahre in der senegalesischen Hauptstadt gelebt und dort eine polyglott besetzte Band gegründet hatte, afrikanische Elemente in seine Musik ein. Fugenfrei, ohne klanglichen Exotismus.

Kein Abend der ausufernden Soli. Auf bezwingende Weise wurde ganz auf der Linie von Wuchners strukturbewusstem, anti-expressiven Denken musiziert.

Romanfabrik Frankfurt: Der Stream des Live-Konzerts ist via Youtube weiterhin verfügbar.

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