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Hans Zender „Winterreise“

In gefasster Strenge

  • vonBernhard Uske
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Hans Zenders „Winterreise“ mit Julian Prégardien bei den Frankfurter Positionen.

Eine „komponierte Interpretation“ hatte Hans Zender seine Bearbeitung von Franz Schuberts „Winterreise“ genannt, die 1993 entstand. Dabei handelt es sich um nichts anderes als eine phänomenale Rekonstruktion des romantischen Liederzyklus aus dem Geist der Neuen Musik. Notengetreu, aber instrumentiert und angereichert auf eine Art und Weise, die in dieser Qualität und mimetischen Anpassung ihresgleichen sucht. Mit allen Mitteln, die die Musikgeschichte, namentlich im 20. Jahrhundert, entwickelt hat.

Schöner und strahlender

Zender, ein Avantgarde-Arrangeur, der die Tradition unmittelbar mit der Syntax der Gegenwart zu verschmelzen vermochte. Die weltschmerzlichen Melodien in bis hin zum Geräusch ausgeweiteten Einfassungen von Subtilität und farblicher Profiliertheit. Von der Geige über Windmaschine, Melodika und Akkordeon bis Posaune und schwerem Schlagwerk schöner und strahlender oft als in der Originalgestalt.

Im Rahmen der heuer per Live-Stream präsenten Veranstaltungen des „Frankfurter Positionen“-Festivals kam diese „Winterreise“ durch das Ensemble Modern zur Aufführung. Gesendet aus dem Schauspiel Frankfurt in exzellenter akustischer und meist auch bildlicher Übertragung. Ein perfektes Klangbild jener alle artikulatorischen Möglichkeiten vom huschenden Geräusch bis zur pastosen und grellen Fülle des Ensembles ausnutzenden Gestaltung Zenders. Sie spielte sich unter der auf Artikulation zielenden Leitung von Daniel Cohen aus. Der Dirigent – ein junger Sensibilist der Genauigkeit und empathischen Haltung, die den Stationen des Liebesentfremdungs-Bekenntnisses Schuberts und seines kongenialen Nachkomponisten im Verein mit dem glänzenden Ensemble Modern gerecht wurde.

Julian Prégardien war verpflichtet, ein besonders mit diesem Werk aufgestiegener Sänger, der in gefasster Strenge, aber ohne vokale Leichenbittermiene und ohne proklamatorische Krypto-Expressivität daherkam. Kein Kämpfer, kein brodelnder Vokal-Vulkan. Einer, der sich selbst nochmals vergewissert, was ihn animierte, was Traum, Sehnsucht aber auch Glück der Erinnerung war. Selbstverständigung, die sich zusingt.

Ein „prolog unerhört“, der eine Viertelstunde vor dem Beginn der eigentlichen Winterreise-Übertragung zu erleben ist, soll „Widersprüche, Motivationen und Empfindungen“ einiger der Akteure hörbar machen. Das diskursive Rauschen aus dem Off, derweil die Musiker auf dem Podium herumsitzen und sich warmspielen war die Meisterleistung konzeptioneller Originalität, die dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Frankfurter Universität eingefallen war.

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