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Freiluftaufnahme mit Ensemble Modern.
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Freiluftaufnahme mit Ensemble Modern.

Ensemble Modern

In beschleunigter Gangart

  • vonHans-Jürgen Linke
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Ensemble Modern: 40 Jahre, 40 Kompositionen und eine virtuelle Uraufführung.

Das Ensemble Modern besteht seit 40 Jahren, hat längs und quer durch das Jahr diesen Geburtstag mit markanten inhaltlichen Gewichtungen begangen. Der Höhepunkt aber, das hätte das finale Geburtstagskonzert am 9. Dezember in der Frankfurter Alten Oper sein sollen, einem der Konzertorte also, der in all den Jahren für das Ensemble eine Homebase gewesen ist.

Es wäre ein Konzert geworden mit 40 Uraufführungen. 40 Komponisten und Komponistinnen, die zu den Weggefährten des Ensembles gehören, haben einen Beitrag zu einem üppigen und wohlstrukturierten Bouquet geschrieben, den sich das Ensemble zum Geburtstag selbst schenkt. Eine festliche Doppel-CD ist dabei herausgekommen, erweitert durch ein umfangreiches Booklet, das sich inhaltlich und gestalterisch bestens zur Musik fügt. Thematisch bewegen sich die Kompositionen in höchst individuellen Gangarten und Klangstrategien durch und über die Bedeutungsfelder Winter – Weihnachten – Zeremonie.

Ergänzend haben die Komponisten und Komponistinnen einen kleinen standardisierten Fragebogen ausgefüllt, dessen Antworten das Booklet bereichern. Und weil die Beziehungen mit ihnen, die im Laufe all der Jahre geknüpft wurden, nicht bloß Arbeitsbeziehungen sind, gibt es zu jedem Komponisten, jeder Komponistin persönliche Anmerkungen von jeweils einem Ensemble-Mitglied sowie markante Aussagen in umgekehrter Richtung.

Wer die letzten 40 Jahre anhand der vom Ensemble Modern veröffentlichten Musik rekapituliert, merkt schnell, dass nicht alle lebenden Komponisten, die diesen Weg maßgeblich mit geprägt haben, vertreten sind. Das wäre allerdings auch zu viel verlangt, die gesetzte Zahl 40 macht eine relativ strenge Auswahl nötig. Das Uraufführungskonzert wird dirigiert von Ingo Metzmacher, dessen Karriere als Pianist des Ensembles begann. Allerdings wären selbst hier auch andere möglich gewesen, die aus dem Status des ausübenden Musikers in die Dirigentenlaufbahn gewechselt sind wie der ehemalige EM-Geiger Peter Rundel oder der Hornist Frank Ollu. Es geht also nicht um ein vollständiges Bild, sondern eine weiträumige und Generationen übergreifende Auswahl. Sie zeigt unter anderem, wie sehr sich in den vergangenen vier Jahrzehnten die zeitgenössische Musik differenziert hat.

Das Album:

Ensemble Modern: Beschenkt. 40 Miniaturen zum Jubiläum. Ensemble Modern Medien.

Es gibt keine Schulen und Gruppen, keine Glaubensbekenntnisse und To-Do-Listen mehr, es gibt nur noch Individuen, individuelle Klangsprachen und Überraschungs-Strategien sowie eine kaum überschaubare Reihe von Einflüssen dahinter. Und jeder der vertretenen Tonkünstler, jede Künstlerin hat immer noch eine eigene Strategie, sich Erwartungen nicht zu fügen.

Dass ausgerechnet Bernhard Gander etwa auf das uralte Lied „Maria durch ein’ Dornwald ging“ rekurriert, dass George Benjamin eine relativ schlichte Version des ewigen Weihnachtsliedes „Silent Night, Holy Night“ beitragen würde, war so nicht unbedingt zu erwarten. Oder? Dass Brigitta Muntendorf sich eigensinnig in zeitgenössischen Pop-Idiomen ausdrücken würde und dass Salvatore Sciarrino eben klingt wie Salvatore Sciarrino, schon eher.

Erstaunlich sind das reiche Vokabular und die klare Erzählweise in Cathy Millikens „Fast Forward“, die Oboistin des Ensembles war und mit der Geschichte des EM auch ein Stück weit die eigene Geschichte rekapituliert – weniger in selbstbespiegelnder als in selbstreflexiver (und wirklich ziemlich beschleunigter) Gangart. Und „Per i 40 Anni“ ist vermutlich die letzte Komposition Ennio Morricones.

Uraufführungs-Übertragung via Stream: 9. Dezember, 19 Uhr. Zugang: www.ensemble-modern.com/on-air

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