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Rheingau Musik Festival

Bis sie ihren Liebsten verwünscht

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Ein leichter, inniger Rheingau-Abend in Wiesbaden-Biebrich mit irischer Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Üblicherweise gibt es beim Rheingau Musik Festival ausführliche Programmhefte – von Fall zu Fall auch mit Liedtexten in der Originalsprache und in Übersetzung. Eine Überraschung war trotzdem, nun auch irisches Gälisch, na ja, mitlesen zu können und zu entdecken, wie unglaublich viele Buchstaben in dieser keltischen Sprache geschrieben, aber nicht gesprochen werden. So dass einem der feine Tenor Robert Getchell bisweilen davonsprintete.

„The High Road to Kilkenny“ war der Abend in der Oranier-Gedächtniskirche in Wiesbaden-Biebrich überschrieben, mit Getchell, einem Amerikaner, der sich mit ganzem Herzen (auch als Mitglied im Trio White Raven) dem in keltischer Tradition verwurzelten Liedgut verschrieben hat, dazu mit den Musiciens de Saint-Julien unter der Leitung des quecksilbrigen Flötisten François Lazarevitch. Man stellte Kompositionen und anonym Überliefertes aus dem Irland des 17. und 18. Jahrhunderts vor, wie es auch auf einem gleichnamigen Album veröffentlicht ist.

Die Musiciens verzichten auf Schlagwerk wie die traditionelle Bodhran, so bleibt die Musik zart wie Spitzenklöppelei, auch wenn das Tempo oft gehörig anzieht. Denn neben den Liedern haben die Franzosen Reels im Programm; dann tanzen, springen leichtfüßig vor allem Lazarevitch und der Geiger David Greenberg voran – der freilich auch ein Meister des Melancholischen und der leise verwehenden Töne sein kann. Noch dezenter ist nur Bill Taylor an der irischen Harfe. Éric Bellocq spielt Theorbe und Laute.

Die Komponisten, so sie überliefert sind, heißen Turlough O’Carolan (der auch Harfenist war, außerdem blind), Thomas Connellan, David Murphy, John Peacock. In Dublin wurde die irische Musik früh von englischen Importen verdrängt, die in der High Society wohl als schicker galten.

Was die Musiciens und Getchell aber im Repertoire haben, das ist erkennbar verwurzelt in einem ländlichen Irland. Da sitzt im Lied „Óró Mhór, a Mhóirín“ ein hübscher Bursche im Boot und findet immer neue Ausreden dafür, ein Mädchen nicht zu besuchen. Soll er doch absaufen, verwünscht sie ihn am Schluss. Da macht sich einer, in „Lord Mayo“, auf zum „Hafen des Weintrinkens“. Allerdings ist dies – jedenfalls in der Interpretation der Musiciens und des Nuancen pflegenden, nie etwas forcierenden Tenors – kein Gassenhauer, sondern ein wenig mit Wehmut unterlegt.

Diese Musik hat eine schöne Innigkeit, zeigt aber auch immer wieder Temperament. Das ist kein Spektakel, sondern Klang für einen Abend am Kamin. Oder in einer Kirche.

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