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Einer der Stars der aktuellen Pianisten-Phalanx: Igor Levit.
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Einer der Stars der aktuellen Pianisten-Phalanx: Igor Levit.

Alte Oper Frankfurt

Igor Levit spielt Schostakowitsch: Ein wohltimbriertes Klavier

  • VonBernhard Uske
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Igor Levit spielt in der Alten Oper die 24 Präludien und Fugen Dmitri Schostakowitschs.

Dank Keith Jarretts Album mit den 24 Präludien und Fugen Dmitri Schostakowitschs, das Anfang der neunziger Jahre erschien, genießt das Opus Nr. 87 des russischen Komponisten eine gewisse Bekanntheit. Entsprechend groß war der Zuspruch in der Alten Oper Frankfurt, wo einer der Stars der aktuellen Pianisten-Phalanx jetzt das gut zweieinhalbstündige Werk aufführte: Igor Levit, der in Nizhni Nowgorod geborene und in Deutschland ausgebildete 34-jährige Pianist.

Schostakowitschs Werk besitzt den gleichen Aufbau wie Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertes Klavier“: je ein Vorspiel und eine Fuge im Wechsel einmal rund um den Quintenzirkel geführt. Entstanden 1950/51, als der ins Abseits geratene einstige Vorzeige-Komponist des Sowjetregimes sich weniger (partei-)öffentliche Betätigungen suchte. Sein Auskommen hatte er mit Filmmusikaufträgen jederzeit, aber den populistischen Aspekt seines Könnens allein wollte der damals 45-Jährige nicht bedienen.

Das Werk des im Westen gerne als Vorzeige-Opfer der Diktatur gehandelten Schostakowitsch ist allerdings keine pièce de résistance, denn die Leningrader Uraufführung fand bereits ein knappes Jahr nach Fertigstellung der Partitur statt, und eine Auswahl des Werks war bereits kurz danach auf Schallplatte zu hören.

Ein eher rauer, lakonischer, schneller Duktus herrschte bei Schostakowitsch selber vor, zumal der Komponist der beste Pianist nicht war. Da konnte Levit natürlich ganz andere Ressourcen mobilisieren, die nicht nur gegenüber dem Ton des Schöpfers ein viel höheres Maß an Differenz aufwiesen, sondern auch gegenüber der weichgezeichneteren Keith-Jarrett-Darstellung.

Dazu höfische Formen

Die Stücke weisen in den Präludien ein gewisses Maß an idiomatischer Vielfalt auf: Intonationen orthodoxer Glockenklänge, jüdische Melismatik, ethnohafte Melodien oder höfische, gar bachisch anmutende Formen sowie Walzerklänge tauchen auf und geraten in die treibende oder kantig-knappe sowie sarkastische Gestaltung. Der schwere Tonfall Mussorgskys ist auch dabei.

Bis auf den bizarren Tonfall beherrscht Levit die Palette, wenngleich ein Swjatoslaw Richter in der artikulatorischen Spannweite breiter ist. Gegenüber der Uraufführungspianistin Tatiana Nikolaiyeva wiederum ist Levit kühler. Am ehesten trifft er sich mit seinem Landsmann Trifonov, der gerundet und versonnen ist.

Linear sind oft die Fugenverläufe bei Schostakowitsch, die Polyphonie des Kontrapunkts wirkt eher passacagliahaft, wie intern belebte, etwas einsilbige Melodik. Der konnte der begeisternde Pianist mit nuancierter Artikulation alles Schematische nehmen: Levits „Wohltimbriertes Klavier“.

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