Levit und die Camerata in der Alten Oper.
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Levit und die Camerata in der Alten Oper.

Igor Levit & Camerata Salzburg

Federflug, Flockengestöber

  • vonBernhard Uske
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Zum Auftakt und vorläufigen Ende der Pro-Arte-Saison in der Alten Oper: Igor Levit mit der Camerata Salzburg.

Liebe Konzertgäste, es geht wieder los!“ Die Begrüßungssätze im Programmheft von Pro Arte / Klassik für Frankfurt zum Start in die neue Saison hatten ihren unguten Doppelsinn: Los geht es wieder, und zwar mit Lockdown Numero Zwo, an dessen Vorabend das Konzert der Camerata Salzburg in der Alten Oper gewissermaßen auf den letzten Drücker noch stattfinden konnte. Ein klangvolles Finale, bevor die Alte Oper, wie alle anderen Spielstätten von Kunst und Kultur auch, vorerst einen Monat schließen muss. Pro Arte – auch dieser Name hat jetzt seinen Doppelsinn, einen guten, der nach dem Ausrufezeichen förmlich verlangt: Pro Arte! Für die Kunst! Eine Wunsch- und Aufforderungsparole, die mehr bedeutet als der „Klassik für Frankfurt“-Claim, den sich der größte private Konzertveranstalter der Mainmetropole jüngst erst zulegte.

Hélène Grimaud hatte für dieses Konzert coronabedingt absagen müssen, was Igor Levit auf den Plan und an den Flügel im Großen Saal treten ließ, um das Es-Dur Klavierkonzert Wolfgang Amadeus Mozarts, das den Beinamen „Jeunehomme“ und die Köchelverzeichnis-Nummer 271 trägt, zu spielen.

Vorher stellte die Camerata Salzburg Ludwig van Beethovens f-Moll-Quartett op. 95 in einer nicht weiter bezeichneten Fassung für Streichorchester vor. So wie das jetzt 20-köpfige Ensemble sinfonisch-orchestralen Geist atmete, konnte es sich um die Fassung handeln, die Gustav Mahler einst dem letzten der vor der Gruppe der späten Quartette entstandenen Werke dieser instrumentalen Gattung hatte angedeihen lassen. Jedenfalls spielte die Camerata mit Vibrato und vollgriffigem Habitus. Der vermochte bei den extravertierten Partien dem Maßstab des Großen Saals angemessen zu sein in der Abbildung der dem Original eigenen Aufbruchs- und Dialogform mit ihrer jähen Unwirschheit. Wie viel seiner bizarren Klangbildung ein Hector Berlioz solchen Beethovenschen Artikulationsweisen verdankte, machte diese wörtlich den Notentext übersetzende Streicherfassung deutlich. Anderes, wie die versunkenen, schütteren und seufzerhaften Artikulationen besonders im zweiten Satz, blieb da profaner und bewegte sich auf dem Weg nach innen nicht zu weit.

Eine feine Synthese

Im Klavierkonzert Mozarts war das 1952 von Bernhard Paumgartner gegründete und von dem legendären Sándor Végh modellierte Orchester, das heute ohne ständigen Dirigenten arbeitet und in Frankfurt von Konzertmeister Giovanni Guzzo angeführt wurde, ein großartiger Tutti-Partner. Igor Levit konnte auf dirigentische Einsatzbemühungen, die Solisten bei Konzertauftritten ohne Orchesterleiter gerne mimen, verzichten, so markant und beherrscht in der Solisteneinbindung war man. Levit lieferte eine Synthese aus plakativer Schnelligkeitsartistik, empfindsamster Pausenagogik und pointierten Sequenzierungswirbeln. Alles wie aus einem Guss und dabei leicht wie Federflug und Flockengestöber.

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