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Iggy Pop in Frankfurt: Rock und Rebellion gehören zusammen

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Von: Stefan Michalzik

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Hier gerade noch ein bisschen bedeckt: Iggy Pop.
Hier gerade noch ein bisschen bedeckt: Iggy Pop. © IMAGO/TT

Natürlich nackter Oberkörper: Iggy Pop in der Alten Oper Frankfurt.

Für das Immerweitermachen haben sich die Rolling Stones neben der Bewunderung der Fans auch mächtig Spott zugezogen – Iggy Pop hingegen scheint davor gefeit. Offenkundig hat er etwas, was die Stones nicht haben: eine unverwüstliche Coolness. Natürlich: nackter Oberkörper. Die Show, wie jetzt zu erleben in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper – „a fucking good place for fucking fun“, so viel Zünftigkeit muss sein – ist im Grunde seit Jahrzehnten die gleiche, mit immer wieder neu zusammengewürfeltem Repertoire aus fünfzig Karrierejahren und ein paar eingestreuten Novitäten.

Auftritt im eleganten schwarzen Anzug. Bei Song Nummer drei fliegt das Jackett weg und es bietet sich das ikonische Bild dar, festgehalten auf unzähligen Fotografien, bis zurück zum Coverbild des Albums „Raw Power“ (1973) von The Stooges, der Protopunkband, deren letzter Überlebender der 75-Jährige inzwischen ist. Okay: sich in Glasscherben wälzen und hinterher Erdnussbutter in die Wunden schmieren – so die Legende – ist längst nicht mehr Teil der Show. Tatsache ist aber, dass sich Iggy Pop in einer Vitalität präsentiert, die mitnichten mühevoll wirkt. Der Mann ist nach wie vor eine konsequente Erscheinung, und gerade auch mit seinen beiden jüngsten Alben „Post Pop Depression“ (2016) und „Free“ (2019) hat er sogar ein relevantes Alterswerk vorzuweisen.

Zu Beginn des Abends eine fulminante Soloimprovisation der Gitarristin Sarah Lipstate mit Geigenbogen und Loops. Hernach gab es nach grober Einteilung zwei musikalische Gangarten: einmal Rock’n’Roll, klangmächtige Riffkracher, immer nach vorne weg. Zweitens eher ambientaffine Nummern, in denen Pops Stimme dem Sprechen nahekommt, wie zuletzt auf „Free“, nicht unähnlich vereinzelt aber auch schon auf dem Solodebüt „The Idiot“ (1977).

Bläser tauchen auf dem einen wie dem anderen Album auf, auf „Free“ werden sie „klassischer“ eingesetzt, live kommt ihre Rolle über weite Strecken eher jener der Memphis Horns im Soul nahe, was sich gut macht. Abgesehen von „Raw Power“ – hat manch einer vermisst – und „Real Wild Child“ – hat wohl kaum einer vermisst – sind die größten Erfolge wie „Lust for Life“ und „The Passenger“ abgefeiert worden, viele Nummern natürlich auch aus dem Repertoire der Stooges. In der Zugabe pries Iggy Pop Germany dafür, dass es in den siebziger Jahren „the best place for Rock’n’Roll“ gewesen sei und spielte eine Nummer von den Krautrockern Neu!, „Hero“, das einzige Cover.

Feier des Exzesses

Bei Iggy Pop geht es um ein habituelles Beharren auf der Einheit von Rock & Rebellion. Altmodisch? Ein Vorwurf, der einem Iggy Pop nichts anzuhaben vermag. Stagediving gibt es im Übrigen bloß einmal andeutungshaft von Iggys Seite – ein Versuch einer Publikumsgruppe wurde von den Ordnern professionell handfest beendet. Wie auch immer: ein rauschender Abend, eine mittelständische fucking Feier des gepflegten Exzesses, ziemlich bald schon hielt es niemanden mehr auf den Stühlen.

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