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Iggy Pop: Das letzte Hemd immer schon verspielt

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Von: Harry Nutt

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Der US-Sänger Iggy Pop.
Der US-Sänger Iggy Pop. © dpa

Iggy Pop, der Godfather of Punk, wird 75 Jahre alt.

Durch den rotzig-hämmernden Gitarrensound wurde die Botschaft noch provozierender, die Iggy Pop in einem harten Stakkato entgegenschleuderte. „I wish life could be Swedish magazines“ heißt es in dem Song „5 Foot 1“ von den Stooges. Die Szenerie schmuddeliger Porno-Hefte als ersehnte Idylle? So jedenfalls sah das Leben des rabiaten Underground-Stars Iggy Pop vermutlich in keiner Sekunde aus, auch wenn er zu fast all seinen Auftritten viel nackte Haut zeigte, einen fettfreien und haarlosen Oberkörper, der aber gerade durch seine knöcherne Erscheinung unnahbar wirkte.

Den Ruf, „Godfather of Punk“ zu sein, hat er sich durch rasende Agilität erworben. Während in der durchaus ähnlichen Erscheinung des Stones-Sängers Mick Jagger vieles zur einstudierten Pose gerann, wirkte Iggy Pop stets wie einer, der sich vor dem Publikum entblößt, aber doch mit dem Rücken zur Wand steht. Existenzielle Not schien aus jeder Pore des Körpers und aus jeder gesungenen Zeile zu strömen.

Iggy Pop wurde als James Newell Osterberg 1947 in einer Wohnwagensiedlung in Michigan/USA geboren. Der Vater war Lehrer, die Mutter Sekretärin. Mit 15 spielte er Schlagzeug in einer Band namens Iguanas, von der sich später der Rufname Iggy ableitete. Nach einer Phase der musikalischen Suche gründete Iggy Pop 1967 in Ann Harbour zusammen mit Ron und Scott Asheton sowie Dave Alexander The Psychedelic Stooges, die als Stooges zu einflussreichen Vertretern des frühen Punk wurden. Iggy Pop wiederum bezog seine musikalische Inspiration von Ravi Shankar, Vater von Norah Jones, der auch mit den Beatles zusammengearbeitet hatte; ein weiteres Vorbild waren die avantgardistischen Auftritte von Frank Zappas Band Mothers Of Invention, die Iggy Pop allerdings weitgehend vom intellektuellen Ballast entschlackte.

Geliebt, aber nicht reich

Die Stooges wurden von einer kleinen Fangemeinde vor allem wegen ihrer intensiven Live-Auftritte geliebt, kommerzieller Erfolg blieb der Band und ihren drei Alben verwehrt. Die Produktion von „Raw Power“ war 1973 von David Bowie abgemischt worden, mit ihm zog Iggy Pop wenig später nach Berlin, wo beide sehr produktive Phasen hatten, sich einerseits von Drogenexzessen erholten, andererseits sexuellen Ausschweifungen, so die Legende, nicht abgeneigt waren. Während Bowie in den Hansa-Studios seine „Heroes“ zum Leben erweckte, produzierte Pop in kurzer Folge „The Idiot“ und „Lust For Life“, die zu seinen erfolgreichsten Alben zählen. Zu Letzterem gehört „The Passenger“, sein hymnischer Ausdruck unbändigen Freiheitsdrangs.

Einige Jahrzehnte später gibt sich selbst Iggy Pop geläutert. Er habe seinen Alkoholkonsum, so gestand er unlängst in einem Interview, von zwei Flaschen Rotwein täglich auf eine reduziert. Geht doch, mit 75 muss man eben etwas kürzen treten.

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