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hr-Sinfoniker: Und das Publikum des Jahres ist ...

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Von: Bernhard Uske

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Siegerehrung beim letzten Saisonkonzert des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper.

Mit roten Rosen in den Händen konnte das Publikum der letzten Veranstaltung der hr-Sinfoniekonzerte in der Saison 21/22 die Alte Oper verlassen, war ihm doch die Ehre widerfahren, zum „Publikum des Jahres“ erwählt worden zu sein. Während „Oper des Jahres“, „Orchester des Jahres“, „Chor des Jahres, „Dirigent/-in des Jahres“, „Aufführung des Jahres“ etc. pp. von der Zeitschrift „Opernwelt“ gekürt werden, ist es beim „Publikum des Jahres“ die Zeitschrift „concerti“.

Zwar wurde das Geheimnis des Kriteriums der Jahresbestqualität (Kleidung, Applausverhalten, Hördisziplin, Neugier auf Neue Musik oder Repertoirelücken?) nicht gelüftet – aber es machte zum Ende der durch Corona-Abstinenz weiterhin arg gebeutelten Veranstaltungen doch einen schönen Eindruck. Zumal der Hessische Rundfunk dadurch einmal mehr darauf verweisen durfte, dass er seinem Auftrag auch in schlechten Zeiten nachkommt und für Millionen Zuhörer und Zuhörerinnen Musik in alle Welt sendet.

Der unschlagbare „Boléro“

Wenn Begeisterung ein Posten bei der Publikumserwählung gewesen sein sollte, dann war das finale Werk des Abends dafür wie geschaffen, denn Maurice Ravels Ballett-Musik „Boléro“, 1928 durch Bronislawa Nijinska choreografiert und von Ida Rubinstein getanzt, steht bis heute für frenetische Resonanz im Auditorium. Alain Altinoglu, der Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters hatte einen leichten, weniger hart geschlagenen Ton vorgegeben, der schöne chorische und farbige Passagen ermöglichte und zuletzt in der schneidend klaren großen Modulation den Schlüsselreiz für Publikumsbegeisterung auslöste.

Ähnlich war es bei Ravels Konzert-Rhapsodie für Violine und Orchester. „Tzigane“ (1924) war in den Händen des Geigers Renaud Capuçon von körperhafter Qualität. Der sonore Klang seines Instruments hatte raumfüllendes Timbre, dem sich im letzten Drittel die erleuchtende und übermalende Orchestrierungsvirtuosität des Komponisten zugesellt.

Die versuchte Yan Maresz 2015 nachzustellen für seine Umwandlung der Ravel-Sonate für Violine und Klavier (1923-27) zu einer Art Violinkonzert. Der ursprünglich zur Geige stark kontrastierende Klavierpart gerät dadurch allerdings zu gleichförmig, was die Profilschärfe der Originaltonfalls mindert und eine wenig gespannte Verlaufsform erzeugt. Verdünnte Hispanität repräsentieren Jacques Iberts „Escales“ (1922), während Emmanuel Chabriers „Espana“ von 1883 – hier einmal nicht als Rausschmeißer platziert war, sondern, am Beginn des Abends – als knalliger Reinschmeißer funktionierte.

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