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Alain Altinoglu mit den hr-Sinfonikern.
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Alain Altinoglu mit den hr-Sinfonikern.

hr-Sinfonieorchester

hr-Sinfoniker in der Alten Oper: In kaum hörbaren Sphären

  • VonBernhard Uske
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Das hr-Sinfonieorchester mit Baiba Skride und phänomenalen Gewichtsverlagerungen in der Alten Oper Frankfurt.

Wie ein Sakrallaut kann Richard Wagners Lohengrin-Vorspiel wirken; wie ein Naturlaut die 1. Sinfonie Gustav Mahlers. Mit ersterem begann das hr-Sinfoniekonzert in der Alten Oper unter der Leitung des Chefdirigenten Alain Altinoglu, der eine interessante Deutung vorlegte. Weniger die ziehenden Klangschwaden aus der Höhe in ihren zauberhaften harmonischen Reibungen und Synthesen, ihrem ständig schwebenden und langsam zu irdischer Bodenhaftung sinkenden Fluss waren zentral. Vielmehr die in ihnen wirksamen ariosen Vollzüge, wie sie später in der Oper, gesungen in der Gralserzählung etwa, zu Tage treten.

Das hochromantische Anwärmen des hr-Sinfonieorchesters galt dem 2018 entstandenen 3. Violinkonzert der russisch-tatarischen Sofia Gubaidulina, die einst zusammen mit Edison Denisov und Alfred Schnittke zur Troika der Moskauer Avantgarde gehörte – mehr oder weniger wohlgelitten im Reich des Sozialistischen Realismus.

Lange schon im Westen ansässig, ist Gubaidulina die im tradierten Ausdruckssinne Schwergewichtigste gegenüber der sachlichen Denisov-Artistik und der spöttischen Schnittke-Polystilistik. Ein zentral gestelltes thematisches Programm ist der 90-Jährigen eigen, das man üblicherweise als spirituell bezeichnet. Themen der Verworfenheit, der Erlösung, der Exposition gegenüber blinder Masse sind Anregungen ihrer Produktivität, die ein brüchig-blockhaftes, bei aller orchestraler Größe monotones, aber mit markanten Interjektionen und partiell auch illustrativen Zügen versehenes Geschehen entwickelt.

Entfremdung im Raum

Im 3. Violinkonzert mit dem Titel „Dialog: Ich und Du“, das die 40-jährige Lettin Baiba Skride mit ganz unaffektiertem, aber intensivem Spiel bestritt, steht eine durch das blockhafte, eher gesichtslose Tutti gefügte Entfremdetheit im Raum, in dem finaliter die Seele des Solo-Instruments in kaum hörbaren Sphären zu Stehen kommt.

In Mahlers 1. Sinfonie, diesem Hybrid aus blanker Illustration und sinfonischer Mächtigkeit, hatte Altinoglu sein Bemühen gleichermaßen auf die populistischen Passagen des Schmetterns und Paukens gerichtet als auch auf den hochromantischen Seelenschmelz, der besonders im Finale wirkmächtig wurde. Der eigentlich vor allem als Bravoruf-Stimulation fungierende Satz kam hier in dichter, breit ausgezogener Orchester-Ariosität zur Geltung, die dem vordergründigen Furor eine phänomenale Gewichtsverlagerung bescherte. Das hr-Sinfonieorchester, namentlich in seinen höchst beweglichen Streichern, glänzte.

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