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Ein Affe ganz oben: Das Hr-Sinfonieorchester begleitet den Film „King Kong“.

„King Kong“

HR-Sinfonieorchester: Die Schöne, das Biest und der Komponist

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Das HR-Sinfonieorchester spielt in der Alten Oper Filmmusik, im Zentrum steht „King Kong“.

Wenigstens die Zugabe am ersten Abend des drei Tage währenden Fokus-Projekts der Frankfurter Alten Oper „Exodus nach Hollywood“ entsprach seinem Titel, der versprach, Musik von Komponisten zu präsentieren, die im Horizont eines Exodus nach Hollywood auswandern mussten. Franz Wachsmann musste das 1934 wegen seiner jüdischen Abstammung tatsächlich und arbeitete in den USA an seiner Karriere weiter, die in Deutschland schon begonnen hatte. Von ihm erklang ein Ausschnitt aus der Musik zu dem Thompson-Film „Taras Bulba“ von 1962. Das Publikum hatte sich das Stück erklatscht nach der Aufführung der Musik Max Steiners zu dem 1933 entstandenen Horrorfilmklassiker „King Kong“ – dem Zentralereignis im Großen Saal der Alten Oper.

Das HR-Sinfonieorchester bestritt unter Leitung Frank Strobels den Abend, der ansonsten ein Exodus-Etikettenschwindel war. Weder der „King Kong“-Komponist noch der ebenfalls präsentierte Erich Wolfgang Korngold waren aus politischen oder rassistischen Gründen in den USA, sondern beide, der eine seit 1929, der andere aus Österreich seit 1934, wegen ihnen genehmer Arbeitsmöglichkeiten. Und Franz Schreker, dessen Vorspiel zu „Die Gezeichneten“ erklang, hat nie in den USA gewirkt. Dreistigkeit ist des Framing Tod, da nützt auch nichts der Programmhefthinweis, es ginge um für Hollwood stilbildend gewordene Komponisten. Warum dann nicht Erik Satie, Claude Debussy oder Sergej Rachmaninow, die größten Einfluss auf den Klang der Traumfabrik hatten?

Gleich zur Sache

Der erste Teil des Abends verlief rein musikalisch. Mit Steiners Titelmelodie zu „Vom Winde verweht“ war die XXL-Besetzung des Orchesters gleich zur Sache gegangen: voller, rauschender, ein wenig herber Klang in großen Zügen. Und danach von Korngold das Cellokonzert aus dem Jahre 1946. Ein Werk, das im Film „Deception“ von Irving Rapper selber als Handlungselement fungiert. Ein gut zwölfminütiges abstract der Klangsprache des einstigen Wunderkinds aus dem Wien um 1900: romantische Kreisläufe in verschiedenen mal hitzigeren, mal niedrigeren Temperaturen eines Standard-Sehnsuchtstons. Das Solo bestritt souverän der erste Cellist der HR-Sinfoniker, Valentino Worlitzsch. Franz Schrekers Vorspiel kam knochenloser Süße ledig und weniger glitzernd daher, dafür klassischer gehärtet und stellenweise durchaus pathetisch.

Nach der Pause ruhten dann alle Augen auf der Leinwand, die jene „King Kong“-Partien aus der gewaltsamen Beziehung der Schönen mit dem Biest zeigten, die vom Komponisten mit besonders weiten und breiten Strecken Musik bedacht worden waren. Jenem Steiner-Sound, der das Bild nicht nur illustriert, sondern dramatisiert bis hin zum konkretistischen Klatschen, Rollen, Brüllen, Schleifen, Stürzen. Man hatte die Orchestrierung des Steiner-Particells, die im Film einst von Bernhard Kaun stammte (übrigens auch kein exilierter Deutscher) durch den 48-jährigen Stefan Behrisch neu besorgen lassen. Eine gewaltige, dauerlaute Explosion des Orchesters mit gigantischen Blechbläser- und Schlagzeugstrecken. Als hätte sich das Gewitter aus Richard Straussens „Alpensinfonie“ mit „Amériques“ von Edgard Varèse vermischt: Permanentbrutalismus, der den angestaubten „King Kong“-Tricks richtig Beine machte.

Alte Oper Frankfurt:„Die lange Nacht“ zum Fokus „Exodus nach Hollywood“, am Samstag ab 18 Uhr. www.alteoper.de

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